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Werk der Woche: Rodion Shchedrin - The Enchanted Wanderer

Die konzertante Oper The Enchanted Wanderer des russischen Komponisten Rodion Shchedrin wird anlässlich seines 85. Geburtstages am 19. und 20. Dezember 2017 in der Philharmonie München unter der Leitung Valery Gergiev aufgeführt. Inspirieren ließ sich Shchedrin von einem klassischen Roman des russischen Literaten Nikolai Leskov.

Außerhalb Russlands ist der Roman mit seiner äußert verzweigten Handlung wenig bekannt: Die Hauptperson Ivan blickt auf ein ereignisreiches und abenteuerliches Leben zurück. Nachdem er als junger Mann einen Mönch getötet hatte, wurde Ivan von dessen Geist verflucht. In seinem qualvollen Leben sollen stets Tod und Heimsuchung auf ihn warten. Ivans Schicksal nimmt seinen Lauf und nach einer Gefangenschaft bei den Tataren und Militärdienst wird er Diener eines Prinzen, dessen Reichtümer er verwaltet. Jedoch verliebt sich Ivan in die Tänzerin Grusha und gibt das ihm anvertraute Geld für sie aus. Als der Prinz dahinter kommt, verlieben sich dieser und Gruhsa prompt ineinander. Ivan bleibt jedoch mit gebrochenen Herzen zurück. Als der Prinz die Lust an ihr verliert, sucht er sich kurzer Hand eine neue, sehr reiche Braut. In ihrer Verzweiflung flieht  Grusha zu hohen Flussklippen, wo sie auf Ivan trifft. Sie bittet ihn darum, sie umzubringen, da sie sich sonst gezwungen sieht, den Prinzen und seine neue Braut zu töten. Als Liebesbeweis stürzt Ivan Grusha die Klippen hinunter und geht ins Kloster, um für seine Sünden zu büßen.

Rodion Shchedrin -  The Enchantred Wanderer: ein schicksalhaftes Drama


Der in München und Moskau lebende Komponist Shchedrin entführt das Publikum in all seinen Opern in die Musik des alten Russlands. In der dramatischen Komposition The Enchantred Wanderer werden traditionelle, mündlich überlieferte Hirtenmelodien, Trinklieder und viele weitere Musiken verarbeitet. Dabei weist er den Soli in klassischer Oratorientradition verschiedenen Rollen zu, weshalb er für das Werk die Gattungsbezeichnung "Opera for the concert stage" wählte.
Manche Menschen finden vielleicht, dass es zu viele Erzählstränge gibt, aber die Gattung Oper erlaubt es mir, die ausschweifende und farbige Geschichte durch scharfe und polemische Kontraste zu erzählen, mehr als es sinfonische Musik könnte. Ich hoffe, dass das Publikum der Geschichte mit unermüdlichen Interesse folgen kann; dass es eingesogen wird von Leskovs Geschichte und schließlich Sympathie und Mitgefühl für die Charaktere und deren Schicksal empfindet. – Rodion Shchedrin

Eine weitere Oper von Shchedrin, A Christmas Tale, ist am 23. Dezember 2017 in St. Petersburg zu erleben. Des Weiteren wird dem Komponisten anlässlich seines runden Geburtstages ein Konzert in der Tchaikovsky Concert Hall in Moskau gewidmet, in dem am 21. Dezember 2017 eine Retrospektive seines Schaffens zu hören sein wird.

Bild: Mariinsky Theater St. Petersburg

Werk der Woche - Hans Werner Henze: Suite "Die Zikaden"

Am 1. Juni 2016 wäre Hans Werner Henze 90 Jahre alt geworden. Zu diesem Anlass wird nun die Suite „Die Zikaden“ aus Orchesterstücken zu einem Hörspiel von Ingeborg Bachmann posthum uraufgeführt. Das Stück wird am 1. Juni im Stadtcasino Basel unter der musikalischen Leitung von Dennis Russel Davies mit dem Symphonieorchester Basel zu hören sein. Eine Wiederholung des Konzerts findet am 2. Juni, ebenfalls im Stadtcasino, und am 3. Juni mit derselben Besetzung im Temple du Bas in Neuchâtel statt.

Dass diese Suite 2014 in Henzes Nachlass gefunden wurde, ist eine kleine Sensation: Denn es hatte kaum Gelegenheiten gegeben, die Musik aufzuführen, da die Partitur nie veröffentlicht wurde. Sie wurde nur ein einziges Mal für die Produktion der Ursendung gespielt und so waren die einzigen Gelegenheiten sie zu hören, wenn Rundfunkanstalten die Aufzeichnung sendeten. Wenige Jahre vor seinem Tod beschäftigte sich Henze jedoch noch einmal mit der Komposition zum Hörspiel und stellte aus dem Material eine Konzertsuite zusammen.

Realitätsflucht und Utopie: Die Zikaden als Suite


Die Künstlerfreundschaft zwischen Henze und Bachmann kann zu den wichtigsten des 20. Jahrhunderts gezählt werden. Beide hatten sich im Herbst 1952 bei einer Tagung der Gruppe 47 kennengelernt. Durch ihre fruchtbare und innige Beziehung entstanden inden folgenden Jahren mehrere gemeinsame Werke. Das zentrale Thema des Hörspiels „Die Zikaden“ ist die Realitätsflucht. Auf einer nicht genauer benannten Insel im Süden versuchen die Figuren, ihr altes Leben mit all seinen Mühen, Ängsten, Entbehrungen und Schmerzen hinter sich zu lassen. Jedoch müssen sie schnell erkennen, dass diese Utopie trügt und das Leben auf der Insel dasselbe ist, wie überall. Der Gesang der Zikaden steht emblematisch für diese Illusion. Als menschliche Wesen nutzten diese ihren Gesang zur Weltflucht, jedoch um den Preis ihres Menschseins.

In einem Brief an Bachmann aus der Zeit der Entstehung beschreibt Henze seine Musik sowie den Umgang mit dem Hörspiel so:
Das Manuskript von "Die Zikaden" enthält einige Seiten schmerzlichen Wohllauts und zarter Klage, zitternder Ironie unter halbgeschlossenem Augenlid, ungezügelter Ausbruch und nur halb gelungene, wie unter Zwang herbeigeführte, wider Willen bejahte – und doch nicht bejahte – Mäßigung. Kurz: es ist getan, mein devoter Versuch, einen Klang dem Klang beizugeben, mich in die Welt deines Worts einzuleben und einen Widerhall dieser Welt zu tönenden Akten zu binden. – Henze an Ingeborg Bachmann, Brief vom 13.1.1955

In den Wochen um den 90. Geburtstag finden zahlreiche weitere Aufführungen von Henzes Kompositionen statt: So inszeniert inszeniert Dieter Kaegi am 31. Mai die Kinderoper Pollicino im Teatro Regio in Turin und vom 3. bis 5. Juni werden im Rahmen der Tage für neue Gitarrenmusik 2016 verschiedene Stücke des Komponisten an der Staatlichen Hochschule für Musik in Trossingen zu hören sein. Das große Ballett Undine feiert am 24. Juni im Bolshoi Theater in Moskau Premiere und vom 29. Juni bis zum 1. Juli stehen in den Konzerten der Münchner Philharmoniker die Nachtstücke und Arien nach Gedichten von Ingeborg Bachmann mit der Sopranistin Claudia Barainsky auf dem Programm.

Werk der Woche - Rodion Shchedrin: A Christmas Tale

Was könnte besser in diese Zeit passen als die Uraufführung einer neuen Weihnachtsoper? Und so kommt ab dem 26. Dezember 2015 Rodion Shchedrins A Christmas Tale unter der Leitung von Valery Gergiev am Mariinsky Theatre in St. Petersburg auf die Bühne. Der Stoff für das Stück stammt aus dem 19. Jahrhundert und basiert auf dem Märchen "Die zwölf Monate" der tschechischen Autorin Božena Nemcova.

Schon lange hat sich Shchedrin ausgiebig mit diesem Märchen befasst. Die russische Übersetzung nach Nikolai Leskow dient ihm nun als Vorlage für die neue Oper in 2 Akten. A Christmas Tale erzählt die Geschichte einer Mutter mit ihrer Tochter, die das gemeinsame Ziel verfolgen, die viel zu hübsche und gutherzige Stieftochter zu beseitigen. Sie schmieden den Plan, das gehorsame Kind im tiefsten Winter zum Veilchensuchen zu schicken. Auf seiner verzweifelten Suche trifft das Mädchen auf die zwölf Monate, die ihm zur Hilfe kommen.

Shchedrins Kompositionen zeichnen sich nicht zuletzt durch ihre originelle und farbige Instrumentierung aus. Auf die Frage, woher er ein so gutes Ohr für die einzelnen Instrumente habe, antwortete Shchedrin einmal:
Ich glaube, ich komponiere meistens nach Instinkt. In der Musikschule hatte ich einige Freunde, die gleichzeitig mit mir gelernt haben und die alle unterschiedliche Instrumente spielten, wie etwa Kontrabass, Schlagzeug, Klarinette oder Trompete und wir musizierten regelmäßig zusammen. Einer meiner Freunde, ein Trompeter, sagte einmal zu mir: "Ich treffe mich morgen mit einem hübschen Mädchen, könntest du an meiner Stelle die Trompete im kleinen Orchester spielen?" "Ok, diesen Gefallen tue ich dir gerne." Ich konnte nicht wirklich Trompete spielen, aber ich sagte ihm, er solle es mir kurz und knapp erklären und dann würde ich mein Bestes versuchen. Das war zu einer Zeit, in der ich alle Orchesterinstrumente ausprobiert habe und so ein bisschen Geld verdient und gleichzeitig viel gelernt habe. Professionell spielte ich Klavier und machte gleichzeitig meinen Abschluss am Moskauer Konservatorium als Pianist und Komponist. – Rodion Shchedrin

A Christmas Tale wird nach der Uraufführung noch fünf weitere Male bis zum 13. Februar 2016 in St. Petersburg aufgeführt.

 
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