Werk der Woche – Ludger Vollmer: Tschick
- 12.12.2022
Am 18. Dezember 2022 feiert eine Neuinszenierung von Ludger Vollmers “Road Opera” Tschick an der Wiener Staatsoper Premiere und gleichzeitig ihre österreichische Erstaufführung.
Am 18. Dezember 2022 feiert eine Neuinszenierung von Ludger Vollmers “Road Opera” Tschick an der Wiener Staatsoper Premiere und gleichzeitig ihre österreichische Erstaufführung.
Unerreichbare Orte: Das Ensemblewerk No. 56 (Islands) von Richard Ayres widmet sich dem Unbekannten, das immer unbekannt bleiben wird. Die Uraufführung des neuen Stücks findet am 8. Dezember im Muziekgebouw aan’t IJ in Amsterdam statt. Clark Rundell dirigiert das Ensemble Asko|Schönberg, das die Komposition bei Ayres in Auftrag gegeben hat.
In Intermezzo appassionato wagt sich Christian Jost einen neuen Blick auf eine klassische Instrumentalgattung. Das Auftragswerk der Kammerakademie Potsdam wird unter der Leitung von Antonello Manacorda uraufgeführt.
Biographie eines Nationalhelden: Turing von Anno Schreier wird im Staatstheater Nürnberg am 26. November zur Uraufführung gebracht. Guido Johannes Rumstadt ist für die musikalische Leitung verantwortlich, Jens-Daniel Herzog übernimmt die Regie, Mathis Neinhardt das Bühnenbild und Sibylle Gädeke das Kostümdesign.
Über die Sterne: Gerald Barry, zur Zeit Composer in Residence beim Theater Magdeburg, erkundet in seinem jüngsten Werk die Weite des Alls. What the Webb Telescope Sees für Orchester wird von der Magdeburgischen Philharmonie unter dem Dirigat von Anna Skryleva im Theater Magdeburg am 17. November zur Uraufführung gebracht.
Musik als Lockdownbewältigung: Ludger Vollmer legt im Konzert für Violine, tiefe Streicher, Bläser und Schlagzeug seine Gefühle zu erdrückender Einsamkeit dar. Das Werk ist für den Geiger Gernot Süßmuth geschrieben. Dieser bringt es zusammen mit der Staatskapelle Weimar unter dem Dirigat von Dominik Beykirch am 13. November in der Weimarhalle zur Uraufführung.
La piccola Cubana von Hans Werner Henze erzählt die turbulente Geschichte der Varietésängerin Rachel vor dem Hintergrund gesellschaftlicher Umbrüche im vorrevolutionären Kuba. Es war Henzes Wunsch, dieses ihm so wichtige Stück auch kleinen Bühnen und Ensembles zugänglich zu machen, daher plante er noch selbst eine „Piccola Cubana“. 10 Jahre nach dem Tod des Komponisten liegt die ursprüngliche Fernsehoper La Cubana oder Ein Leben für die Kunst mit Texten von Hans Magnus Enzensberger nach Miguel Barnet in einer Einrichtung für Kammerorchester von Jobst Liebrecht vor. In der Staatsoper Unter den Linden Berlin wird sie von Mitgliedern der Staatskapelle und Gästen unter musikalischer Leitung von Adrian Heger zur Uraufführung gebracht. Vom 27. Oktober bis zum 6. Dezember sind insgesamt 6 Vorstellungen der Inszenierung von Pauline Beaulieu geplant.
No. 36 (NONcerto for Horn) von Richard Ayres kein normales Hornkonzert ist, fällt schon am Namen auf. Das Philharmonische Orchester Hagen bringt am 18. und 19. Oktober dieses anguläre Stück nach Hagen und Finnentrop. Der Hornsolist der Berliner Philharmoniker, Stefan Dohr, übernimmt die Solopartie, wie schon einige Male zuvor, zum Beispiel in Mainz. Die musikalische Leitung wird von Joseph Trafton in die Hand genommen.
Die Vergangenheit biegt sich in die Gegenwart: In Double Chaconne with Gaps nimmt Alexander Goehr die Idee der Chaconne auf und gießt sie in eine neue Gussform. Die Uraufführung findet am 15. Oktober 2022 im Rahmen der Donaueschinger Musiktage statt. Zu hören ist das Talea Ensemble unter musikalischer Leitung von Dirk von Lowtzow.
Yellow River ist ein etwas anderes Klavierkonzert: Das mit Politik aufgeladene Werk, basierend auf der Kantate mit demselben Namen von Xian Xinghai, wird von den Nürnberger Sinfonikern nach Deutschland gebracht. Unter musikalischer Leitung von Renchang Fu und Haiou Zhang am Piano kann man das Stück am 8. Oktober in Nürnberg und am 10. Oktober in Hamburg hören.
Xian Xinghai ist einer der bekanntesten Repräsentanten chinesischer Musik aus europäischer Sicht. Sein studentischer Weg führte ihn 1931 - 1935 nach Paris, wo er als erste asiatische Person am Konservatorium, unter zum Beispiel Paul Dukas, Komposition studierte. In dieser Zeit schrieb er die Kantate “Huang He (Yellow River)” als Reaktion auf den Zweiten Sino-Japanischen Krieg. Aufgrund der deutschen Invasion wurde jedoch seine Heimreise verhindert. Xian kam in Kasachstan unter, bis er 1945 aufgrund gesundheitlicher Mängel nach Moskau ging, wo er im gleichen Jahr aufgrund deren Folgen erlag.
Yellow River von Xian Xinghai, ein Komponist des Volkes
Während der chinesischen Kulturrevolution sollte dieses Werk eine Renaissance erfahren. Da keine westliche Musik gespielt werden durfte, waren viele professionelle Musiker:innen arbeitslos. So wurde der kluge Schachzug getätigt, dieses historisch relevante Stück zu einem Klavierkonzert umzuschreiben und die chinesische Welt der Orchestermusik wieder aufleben zu lassen. Nach einigen Interviews mit Zeitzeugen des Krieges wurde das Konzert durch die Zusammenarbeit von Yin Chengzong, Chu Wanghua, Liu Zhuang und Sheng Lihong geschrieben. Durch die Umwandlung der Instrumentation zu einem konventionellen Sinfonieorchester, bis auf eine chinesische Flöte, entstand ein Verbund chinesischer und europäischer Ästhetik. Das Klavierkonzert Yellow River ist somit ein historisches Dokument und Vermächtnis einer komplizierten Phase chinesischer Kulturpolitik.
Ah, der Gelbe Fluss!
Du bist die Wiege der chinesischen Nation!
Fünftausend Jahre alte Kultur,
Stammen von dir;
Wie viele Heldengeschichten,
Spielen an deiner Seite!
Das Klavierkonzert Yellow River wird am 8. Oktober in Nürnberg in der Meistersingerhalle und am 10. Oktober in Hamburg in der Elbphilharmonie gespielt.
Info-Box:
Foto: Zimu / Adobe