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Christopher Peter

Uraufführung in Reutlingen: Adagio von Fazil Say zum Jubiläum der Württembergischen Philharmonie

Am 16. November bringt die Württembergische Philharmonie Reutlingen Adagio von Fazil Say zur Uraufführung. Unter der Leitung des ehemaligen Chefdirigenten Ola Rudner erklingt damit ein neues Orchesterwerk, das Say dem Orchester zum 75jährigen Bestehen – und bereits unter dem Eindruck der Coronakrise – komponierte.

Das Konzert ist über den unten stehenden Link ab 20:15 im Livestream zu sehen. Sie können die Partitur des Stücks auf unserer Website herunterladen und beim Hören mitlesen.

Staatsministerin für Kultur und Medien Monika Grütters zu Besuch bei Schott in Mainz

[caption id="attachment_72850" align="alignnone" width="840"]von links nach rechts: Staatsministerin Monika Grütters, Verleger Peter Hanser-Strecker, Christiane Albiez (Geschäftsleitung) von links nach rechts: Staatsministerin Monika Grütters, Verleger Peter Hanser-Strecker, Christiane Albiez (Geschäftsleitung)[/caption]

Am 13. Oktober zu Gast bei Schott Mainz: Staatsministerin für Kultur und Medien Monika Grütters. Nach einer Führung durch die historischen Räumlichkeiten des Verlagsgebäudes im Weihergarten informiert sie sich im Gespräch mit Verleger Peter Hanser-Strecker und Christiane Albiez (Geschäftsleitung) über die aktuelle Situation der Musikverlage und ihrer Komponistinnen und Komponisten angesichts weltweiter Umsatzausfälle durch die COVID-19-Pandemie.

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Schott Music bedankt sich herzlich für den Besuch im Jahr des 250. Firmenjubiläums.

Fotos: Schott Music / Sebastian Burkart

Werk der Woche – Gerald Barry: No People.

Am 18. Oktober bringen das Ensemble Musikfabrik und Dirigent Mariano Chiacchiarini im Rahmen der Donaueschinger Musiktage Gerald Barrys neues Werk No People. für 13 Instrumente zur Uraufführung. Die Komposition wurde vom SWR in Auftrag gegeben und ist eine Fassung eines gleichnamigen früheren Werks von Barry. 



Hinweis der Redaktion:
Nach Veröffentlichung dieses Artikels wurden die Donaueschinger Musiktage 2020 leider abgesagt. Wir möchten Ihnen dieses interessante Werk dennoch vorstellen. 









Der Titel, No People., bezieht sich auf den Gedichtszyklus New Impressions of Africa des Surrealisten Raymond Roussel von 1932. Für dessen Erstveröffentlichung ließ der Dichter 59 Illustrationen anfertigen. Den Auftrag dazu erhielt der Zeichner Henri-Achille Zo über eine Detektei, sodass er von seinem eigentlichen Auftraggeber nichts wissen konnte und ohne Kenntnis der Gedichte. Ihm wurden nur simple Anweisungen übergeben, etwa “Nächtliche Landschaft. Stark sternenbedeckter Himmel mit dünner Mondsichel. (Keine Personen.)”, woraufhin die Zeichnungen entstanden. 
Zusammengenommen haben die gewöhnlichen Alltagszeichnungen eine Befremdlichkeit, die sie vielleicht nie erreicht hätten, wenn der Illustrator die Hintergründe und Texte gekannt hätte. Diese Gegenüberstellung der Unwissenheiten - Gedichten und Zeichnungen - gibt dem fertigen Werk seine bizarre Qualität. (Gerald Barry)

No People. wird bei am Uraufführungstag in Donaueschingen zweimal gespielt, um 11 Uhr und um 15 Uhr, um einem möglichst großen Publikum die Möglichkeit zu geben, das Konzert zu hören.

Werk der Woche – Viktor Ullmann: Der Kaiser von Atlantis

Viktor Ullmanns einaktige Kammeroper Der Kaiser von Atlantis oder Die Tod-Verweigerung feiert in dieser Woche an gleich zwei Theatern Premiere: Ab dem 26. September 2020 ist sie am Landestheater Neustrelitz zu sehen, ab dem 27. September an der Deutschen Oper am Rhein Düsseldorf. Mit seiner kleinen Besetzung und der erschütternden Thematik ist Ullmanns Meisterwerk das Stück der Stunde.

Ein grausamer Herrscher kündigt den Krieg aller gegen alle an. Doch der Tod setzt dem Massenmorden ein Ende, indem er seinen Dienst verweigert: Nun leben alle Menschen ewig. So ist der Kaiser zwar entmachtet, aber die Menschen sehnen sich nach Erlösung vom Schmerz des Lebens. Nur der freiwillige Tod des Kaisers kann dem Tod seine eigentliche Bestimmung zurückgeben.

Viktor Ullmann – Der Kaiser von Atlantis: ein szenisches Mahnmal


Ullmann komponierte diese Oper 1943 während seiner Internierung im KZ Theresienstadt. Das Kammerensemble des Lagers sollte das Werk spielen, die Uraufführung wurde jedoch nach der Generalprobe verboten. Ein Jahr später übergab der Komponist sein Autograph und das Textbuch einem Freund, bevor er nach Auschwitz deportiert und ermordet wurde. So konnte Ullmanns Musik gerettet werden.
Ich habe in Theresienstadt ziemlich viel neue Musik geschrieben, meist um den Bedürfnissen und Wünschen von Dirigenten, Regisseuren, Pianisten, Sängern und damit den Bedürfnissen der Freizeitgestaltung des Ghettos zu genügen […]. Zu betonen ist nur, dass ich in meiner musikalischen Arbeit durch Theresienstadt gefördert und nicht etwa gehemmt worden bin, dass wir keineswegs bloß klagend an Babylons Flüssen saßen und dass unser Kulturwille unserem Lebenswillen adäquat war; und ich bin überzeugt davon, dass alle, die bestrebt waren, in Leben und Kunst die Form dem widerstrebenden Stoffe abzuringen, mir Recht geben werden. – Viktor Ullmann

In Neustrelitz sind zunächst drei Aufführungen von Der Kaiser von Atlantis bis zum 24. Oktober geplant, in Düsseldorf ist das Stück neun Mal bis zum 19. November zu sehen. Von dieser Kammeroper sind mehrere Fassungen und Manuskripte erhalten, die das Werk in unterschiedlichen Stadien vor und nach der Zensur dokumentieren. Bei Schott ist vor Kurzem eine Studienpartitur der Edition Eulenburg (ETP 8067) erschienen, in der alle überlieferten Varianten des Werkes enthalten und einander gegenübergestellt sind.

Foto: Deutsche Oper am Rhein / Hans Jörg Michel

Werk der Woche – Toshio Hosokawa: The Flood

In der Philharmonie de Paris findet am 16. September die Uraufführung eines neuen Werks von Toshio Hosokawa statt. Das Ensemble intercontemporain unter der Leitung von Matthias Pintscher präsentiert The Flood, ein Ensemblestück, das gemeinsam mit dem Ojai Music Festival bei dem japanischen Komponisten in Auftrag gegeben worden war. Eigentlich hätte es schon im Juni bei dem kalifornischen Festival erstmals gespielt werden sollen; wegen der Corona-Pandemie musste die Veranstaltung jedoch ausfallen. 



In The Flood setzt Hosokawa die Verarbeitung eines japanischen Traumas fort. Bereits in mehreren seiner jüngeren Werke befasste er sich mit dem Tōhoku-Erdbeben von 2011 und der daraus resultierenden Tsunami-Katastrophe. Für Hosokawa und die Kultur Japans bedeutete dies einen Einschnitt im Verhältnis von Mensch und Natur, das zuvor von Bewunderung und Liebe geprägt war, die sich in Furcht und Skepsis verwandelten. 

Toshio Hosokawa – The Flood: im Zweiklang mit der Natur


Das Ensemble intercontemporain stellt The Flood in den Kontext seines Projekt “Genesis”, in dem es das achte neue Stück mit Bezug zur Schöpfung ist. Hosokawa setzt die Wasserwellen hier in Schallwellen und -wirbel um, die sich mit Crescendo und Decrescendo wiederholen und durchdringen und versucht damit, Angst und Verzweiflung im Angesicht der entfesselten Natur zu illustrieren.
Die Flut ist den Japanern gut bekannt; nicht nur der Tsunami im Jahr 2011, sondern auch Taifune, starker Regen und Überschwemmungen haben uns häufig getroffen. Wütende Fluten zeigen uns die Kräfte der Natur und erfüllen uns gleichzeitig mit Angst, Ehrfurcht und Respekt.  Toshio Hosokawa


 

Fotos: Kazuko Ishikawa, Adobe Stock / Lichtbildmaster

Werk der Woche – Jörg Widmann: Zeitensprünge

Auf eine stolze Geschichte von 450 Jahren blickt die Staatskapelle Berlin zurück. 1570 wurde sie als “Kurfürstliche Hofkapelle” erstmals urkundlich erwähnt. Für den Festakt am 11. September 2020 hat das Orchester Jörg Widmann mit der Komposition eines neuen Werks beauftragt. Zeitensprünge heißt die neue Komposition, die nun unter der Leitung von Daniel Barenboim in der Staatsoper Unter den Linden uraufgeführt wird. 

Auf musikalische Zeitreisen und auf stilistische Seitensprünge verweist Widmann mit seinem vielsagenden Titel. Denn in Zeitensprünge nimmt er immer wieder die Ästhetik verschiedener Epochen in der Geschichte des Orchesters in den Blick: Gleich am Anfang spielt ein Ensemble hinter der Bühne einen Renaissance-Tanz, etwa im Stil von Tilman Susato. Erst nach dem die Musizierenden nach und nach die Bühne betreten, wird das Dirigieren “erfunden” und ein Konzert nach heutigem Verständnis entspinnt sich.

Jörg Widmann – Zeitensprünge: ein Konzert für Orchester en miniature


Auf 450 Takte, symbolisch für das Alter des Orchesters, und damit 10 Minuten Spielzeit beschränkt sich Widmann. Doch darin verbirgt sich ein vielgestaltiges und vollgültiges Konzert für Orchester. Alle Instrumentengruppen erhalten Solopassagen, es gibt Teilensembles wie Fanfaren, mittelalterliche Bläsermusik und Gamben-Consorts sowie eine Fülle musikalischer Formen bis hin zum Kanon, der wie keine andere den Einklang der Vielen symbolisiert. 
Wenn ich vor dem Notenblatt sitze, denke ich nicht unaufhörlich: Du musst etwas Neues erfinden. Überhaupt nicht. Ich habe viele Harmonien im Kopf, die es noch nicht gab, Zusammenklänge, Kombinationen. Mein Problem ist es, dafür eine Form zu finden. Ich bin in einer Phase, wo ich mir neue Formen erkämpfe. - Jörg Widmann


Fotos: Marco Borggrve, Adobe Stock / spuno

Werk der Woche – Christian Jost: Concerto noir redux

Das Konzerthaus Berlin feiert in diesem Jahr sein 200-jähriges Bestehen. Zu diesem Anlass hat Christian Jost ein neues Violinkonzert geschrieben. Beim Musikfest Berlin wird das Concerto noir redux nun uraufgeführt. Solist am 6. September ist Christian Tetzlaff. Das Konzerthausorchester Berlin begleitet ihn unter der Leitung von Christoph Eschenbach.

Ursprünglich sollte Josts zweites Violinkonzert den gleichen Titel tragen wie seine Oper “Reise der Hoffnung - Voyage vers l'espoir”. Nachdem die Proben zu ihrer Uraufführung in Genf im März abgebrochen werden mussten, orientierte sich Jost bei der Komposition um. Nun sollte das Konzert der neuen Situation, dem Shutdown und der Corona-Krise Rechnung tragen.

Christian Jost – Concerto noir redux: Violinkonzert aus dem Shutdown


Nicht nur der Grundcharakter wurde ein anderer, auch die Orchesterbesetzung musste verkleinert werden. So gibt es nun ein Concerto noir und die reduzierte Fassung Concerto noir redux

Normalerweise komponiere ich mit einer klaren Vorstellung der Form und des Klanges, also des kompletten strukturellen Verlaufs der Komposition. Nicht so bei diesem Werk. Die Idee des unmittelbaren Anfangs, dass sich aus dem Unisono der ersten Violinen mit der Solostimme, diese herauslöst, war meine einzige Vorgabe. Von dort ausgehend sollte das Werk quasi übernehmen und die Komposition leiten. So entstand eine einsätzige organische Struktur, die von drängenden rhythmischen Zellen geprägt und mit nur einer Tempoangabe versehen ist: Viertel 76 espressivo. Die Komposition vollendete ich quasi mit dem Ende des Shutdowns und da diese in Farbe und Ton eher ein dunkel gefärbtes Werk entstehen ließ, schien mir der Titel “Concerto noir“ perfekt.  Christian Jost

Illustration: Adobe Stock / lakkot, Joe Quiao

Werk der Woche – Akiko Yamane: Arcade

Im Rahmen des Suntory Summer Festival 2020 gelangt am 26. August Arcade von Akiko Yamane in der Suntory Hall in Tokio zur Uraufführung. Das 20-minütige Orchesterwerk wurde von der Suntory Foundation of Arts in Auftrag gegeben. Es spielt das Yomiuri Nippon Symphony Orchestra unter der Leitung von Yoichi Sugiyama. 

Die Komponistin beschreibt Arcade als Klangflächenstück im Stil der “Drone Music”. Darunter ist eine Richtung der Ambient-Musik zu verstehen, deren Theorie von dem amerikanischen Komponisten La Monte Young geprägt wurde. Auch Yamanes Werk besteht über weite Strecken aus ruhigen Klängen, die sich im Zeitlupentempo entwickeln. Dies verbindet das Stück mit der traditionellen japanischen Gagaku-Musik, die ebenfalls im Konzert der Uraufführung zu hören sein wird. 

Akiko Yamane – Arcade: Schwebezustand einer fragilen Gesellschaft


Gleichzeitig gibt es in Arcade auch ein musikalisches Programm, das eine Szene einer Konsumgesellschaft in Form eines Klangzustands beschreibt. Darin scheinen die Stimmungen und Wünsche der Menschen zwar unter Kontrolle zu sein, zeigen aber Widersprüche und innere Konflikte. Zu ihrem neuen Werk erklärt Yamane:
Ich schildere diese Szene aus der Sicht eines bestimmten Klangs, den eine Person auf der Haut spürt. Die Klangqualität schwankt dabei durch subtile Veränderungen der Position des Zuhörers, des Orts- oder Raumstatus usw. In Arcade halte ich inne, lenke meine Aufmerksamkeit auf die verschiedenen Ebenen des Klangs und konzentriere mich auf ihre Essenz und ihre Qualitäten. (Akiko Yamane)

Die 1982 in Osaka geborene Yamane ist seit kurzer Zeit Schott-Komponistin. Nach ersten klein besetzten Werken (darunter Illuminated Baby für Klavier und das Kammermusik-Triptychon kawaii ;)) ist Arcade das erste größer besetzte Werk dieser Zusammenarbeit. 

Fotos: Adobe Stock / topntp, Coco

Werk der Woche – Pedro Halffter: Dalí und Beethoven

Ursprünglich für den 20. März dieses Jahres geplant, wird die Uraufführung von Pedro Halffters Dalí und Beethoven am 16. August endlich nachgeholt. Die erste Aufführung des neuen Klavierquintetts wird im Arp Museum Bahnhof Rolandseck in Remagen zu erleben sein. Das Konzert ist Teil des Festivals BTHVN2020, das den 250. Geburtstag Ludwig van Beethovens feiert.

In seinem neuen Werk versucht Halffter eine Verbindung zwischen Beethoven und dem Maler Salvador Dalí zu schmieden. Ausgangspunkt dafür ist seine spezielle Affinität zu Beethoven, die sich aus zahlreichen Dirigaten seiner Symphonien speist. Darüber hinaus pflegte die Familie Halffter eine enge Beziehung zu Dalí. So ließ sich Halffter für das neue Werk von zahlreichen Gemälden des spanischen Surrealisten inspirieren, darunter auch von einem besonderen Bild aus dessen früher Schaffenszeit - einem Portrait von Beethoven. 
Die Musik ist als sinnlicher Spaziergang durch eine typische Dalí-Landschaft zu verstehen, in der ich mir vorstellte, die unfassbaren Figuren zu berühren. Es entstand etwas Meditatives und doch Kontrastreiches in einer surrealen Welt der Klänge und Gedanken. (Pedro Halffter)

Pedro Halffter – Dalí und Beethoven: Verbindung zweier außergewöhnlicher Künstler


Die Veranstaltungsstätte der Uraufführung, das Arp Museum, ist surrealistischer und zeitgenössischer Kunst gewidmet und stellt somit eine passende Umgebung für Dalí und Beethoven dar. Die Komposition wurde von der Akademie Villa Musica Rheinland-Pfalz in Auftrag gegeben und wird von jungen MusikerInnen rund um den Cellisten Alexander Hülshoff gespielt; den Klavierpart übernimmt Halffter. 

Die erste Aufführung findet um 11 Uhr vormittags statt und wird um 15 Uhr wiederholt, sodass das gesamte Publikum trotz reduzierter Bestuhlung die Möglichkeit hat, die Veranstaltung zu besuchen.

Illustration: Adobe Stock / krisana, Foto: realcirculodelabradores

Werk der Woche – Christian Jost: Dichterliebe

Der Liederabend als Kunstform erlebt in diesen Tagen eine Renaissance. Liederzyklen bieten eine gute Gelegenheit für konzertant-dramtatische Veranstaltungen mit wenigen beteiligten Personen. Sowohl mit Klavierbegleitung als auch in Bearbeitungen für Ensemble gewinnen sie in inszenierter Form an Popularität. Ein besonderes Projekt beginnt mit Dichterliebe von Christian Jost am 20. Juni am Staatstheater Darmstadt. Acht Sängerinnen und Sänger des Hauses übernehmen wechselweise die Gesangspartie, es spielen Musikerinnen und Musiker des Staatsorchesters Darmstadt unter der Leitung von Jan Croonenbroeck. 

Das Besondere an diesem Projekt ist die mediale Präsentationsform: Es wird in der Regie von Franziska Angerer als Live-Konzert mit Film sowohl im Theater als auch online gezeigt. Zu ihrem Ansatz erklärt Angerer:
“Wir machen einen Film — was nicht heißt, dass wir das Theater damit ersetzen wollen. Ganz im Gegenteil: Ich glaube, es ist wichtig, dass wir die Leerstelle Theater auch als solche gelten lassen. Und auch wenn wir uns nun filmisch mit der „Dichterliebe“ auseinandersetzen, verwenden wir trotzdem theatrale Mittel. Gerade für dieses Projekt eignet sich das Medium Film an sich jedoch sehr gut. Der Komponist Christian Jost beschreibt seine Komposition als einen assoziativen Strom, der Schumanns und Heines Lieder wie Inseln in sich trägt und miteinander verwebt. Hierdurch entstehen viele Zwischenräume, die sich mit den Mitteln des Films wunderbar erschaffen lassen; man hat andere Möglichkeiten und Zeitlichkeiten als im Theater, was ganz wunderbar ist.”

Christian Jost – Dichterliebe: das Prinzip des Weiterdenkens


Dichterliebe schrieb Christian Jost im Auftrag des Konzerthauses Berlin und des Kopenhagen Opernfestivals im Jahr 2017. In seiner Komposition verbindet Jost den romantischen Kunstlied-Zyklus gleichen Namens von Robert Schumann mit modernen Anklängen. Dazu verändert und vergrößert er die Besetzung und verdoppelt die Länge des Zyklus‘. 

Die 16 Lieder Schumanns handeln von einem Menschen, der eine vergangene Liebe besingt. Seine Gefühle wechseln von Schmerz zu Glück, von Trauer zu Leichtigkeit und wandeln zwischen Traum und Realität. In Heines Texten steht der Rhein als Symbol für diesen Emotionsfluss. Auch Jost verwendet das Fließende in seinen Liedern: Er komponiert eine Begleitung aus dichten wellenförmigen Legato-Passagen, während die Tenorstimme immer wieder aus den Ostinati der Instrumente aufzutauchen scheint. Jost webt die ursprünglichen Melodien und das harmonische Gerüst in seine Komposition ein und denkt sie weiter. Im gesamten Zyklus erweitert er knappe Motive aus Schumanns Klavierbegleitung und gibt ihnen eine zusätzliche Tiefe.

Vier Aufführungstermine sind für den 20., 27. und 28. Juni sowie den 11. Juli geplant.