Péter Eötvös (Komponist) | Péter Eötvös (Librettist) | Antonio Ghislanzoni (Dichter:in der Textvorlage)
Radames
Kammeroper
Idee und Libretto von Peter Eötvös
Ausgabe: Aufführungsmaterial
Produktdetails
Beschreibung
INHALT
Eine Probe im Theater: „Aida” steht auf dem Plan. Leider hat die Sparwut des Stadtkämmerers nur drei Orchestermusiker übrig gelassen – der Rest war nicht mehr zu finanzieren. Der Kapellmeister muss vom transportablen E-Klavier aus dirigieren; seinen Lebensunterhalt bestreitet er längst aus den Einnahmen der Kaffeebar. Die Barockopernmode des 20. Jahrhunderts hat dem Ensemble einen unkündbaren Countertenor beschert – ein Idealfall für jedes Theater, denn mit seiner Stimme kann er sowohl die Aida als auch die Rolle des Radames singen, das entlastet den Gästeetat. Dafür ist die Präsenz der Regisseure umso massiver: Seit der Zwangsfusion von Opern- und Schauspielhaus hungern zwei Oberspielleiter nach Arbeit, ein Filmregisseur ist auch mit von der Partie, da die Produktion zur Verwertung an eine Filmfirma verschachert wurde. Geprobt wird die Schlussszene der „Aida“, die Sterbeszene des unglücklichen Liebespaares, wobei allerdings alle drei Regisseure gleichzeitig mit dem einzigen Darsteller arbeiten wollen. Der Sänger zerbricht unter dem Druck: Eine Sterbeszene, in der der Darsteller stirbt, während er das Sterben darstellt, gewissermaßen das Sterben des Sterbens. Mit ihm stirbt der ganze Betrieb, aber eigentlich ist die Oper ja ohnehin schon lange tot… Die Regisseure aber, die bleiben am Leben – und verfassen ihre Memoiren.
KOMMENTAR
Das Libretto stellte Eötvös aus Texten der ungarischen Filmregisseure András Jeles und László Najmányi (für die Rolle des Schauspielregisseurs), des deutschen Komponisten und Rundfunkredakteurs Manfred Niehaus (für Filmregisseur und Zwischenspiel), Zitaten aus Antonio Ghislanzonis Libretto zu „Aida“ und aus musikalischen Vortragsbezeichnungen Giuseppe Verdis zusammen. In der Fassung der Uraufführung bestand das Ensemble aus einer klangfarblich ungewöhnlichen Mischung: fragil-exotische japanische Shakuhachi, Sousaphon (aus der Blaskapellentradition) und elektrische Orgel. 1997 nahm Eötvös eine Überarbeitung und Neuinstrumentierung vor. Die neue Besetzung mit Sopran-Saxophon, Horn, Tuba und elektrischem Klavier (Clavinova) dient der besseren Aufführbarkeit und unterstützt die Absicht, den Klang bewusst „billig“ zu gestalten. Diese Instrumente sind gleichsam der Rest des abgewickelten klassischen Theaterorchesters. Die drei Regisseure verkehren das Thema „Regie“ ins Sinnfrei-Absurde: Die Opernregisseurin artikuliert sich ausschließlich durch Kaskaden italienischer Vortragsbezeichnungen aus der Aida-Partitur und der Filmregisseur kommentiert die Aktionen von Radames/Aida mit englischen Floskeln aus der Filmsprache. Der Schauspielregisseur ist der einzige Singende dieses Trios: Unbegleitet vom Orchester verliert er sich in pseudo-intellektuelle Ergüsse, die mit den konkreten Situationen der geprobten Szenen nichts zu tun haben. Radames/Aida ist den dreien als Spielball und Projektionsfläche ausgeliefert: eine für Barockmusik charakteristische Stimme auf Belcanto-Abwegen.
Eine Probe im Theater: „Aida” steht auf dem Plan. Leider hat die Sparwut des Stadtkämmerers nur drei Orchestermusiker übrig gelassen – der Rest war nicht mehr zu finanzieren. Der Kapellmeister muss vom transportablen E-Klavier aus dirigieren; seinen Lebensunterhalt bestreitet er längst aus den Einnahmen der Kaffeebar. Die Barockopernmode des 20. Jahrhunderts hat dem Ensemble einen unkündbaren Countertenor beschert – ein Idealfall für jedes Theater, denn mit seiner Stimme kann er sowohl die Aida als auch die Rolle des Radames singen, das entlastet den Gästeetat. Dafür ist die Präsenz der Regisseure umso massiver: Seit der Zwangsfusion von Opern- und Schauspielhaus hungern zwei Oberspielleiter nach Arbeit, ein Filmregisseur ist auch mit von der Partie, da die Produktion zur Verwertung an eine Filmfirma verschachert wurde. Geprobt wird die Schlussszene der „Aida“, die Sterbeszene des unglücklichen Liebespaares, wobei allerdings alle drei Regisseure gleichzeitig mit dem einzigen Darsteller arbeiten wollen. Der Sänger zerbricht unter dem Druck: Eine Sterbeszene, in der der Darsteller stirbt, während er das Sterben darstellt, gewissermaßen das Sterben des Sterbens. Mit ihm stirbt der ganze Betrieb, aber eigentlich ist die Oper ja ohnehin schon lange tot… Die Regisseure aber, die bleiben am Leben – und verfassen ihre Memoiren.
KOMMENTAR
Das Libretto stellte Eötvös aus Texten der ungarischen Filmregisseure András Jeles und László Najmányi (für die Rolle des Schauspielregisseurs), des deutschen Komponisten und Rundfunkredakteurs Manfred Niehaus (für Filmregisseur und Zwischenspiel), Zitaten aus Antonio Ghislanzonis Libretto zu „Aida“ und aus musikalischen Vortragsbezeichnungen Giuseppe Verdis zusammen. In der Fassung der Uraufführung bestand das Ensemble aus einer klangfarblich ungewöhnlichen Mischung: fragil-exotische japanische Shakuhachi, Sousaphon (aus der Blaskapellentradition) und elektrische Orgel. 1997 nahm Eötvös eine Überarbeitung und Neuinstrumentierung vor. Die neue Besetzung mit Sopran-Saxophon, Horn, Tuba und elektrischem Klavier (Clavinova) dient der besseren Aufführbarkeit und unterstützt die Absicht, den Klang bewusst „billig“ zu gestalten. Diese Instrumente sind gleichsam der Rest des abgewickelten klassischen Theaterorchesters. Die drei Regisseure verkehren das Thema „Regie“ ins Sinnfrei-Absurde: Die Opernregisseurin artikuliert sich ausschließlich durch Kaskaden italienischer Vortragsbezeichnungen aus der Aida-Partitur und der Filmregisseur kommentiert die Aktionen von Radames/Aida mit englischen Floskeln aus der Filmsprache. Der Schauspielregisseur ist der einzige Singende dieses Trios: Unbegleitet vom Orchester verliert er sich in pseudo-intellektuelle Ergüsse, die mit den konkreten Situationen der geprobten Szenen nichts zu tun haben. Radames/Aida ist den dreien als Spielball und Projektionsfläche ausgeliefert: eine für Barockmusik charakteristische Stimme auf Belcanto-Abwegen.
Orchesterbesetzung
Sopransax. · Hr. · Tb. - E-Piano (Clavinova, gespielt vom Dirigenten)
Personenbesetzung
Schauspieler (Radames-Aida) · Kontratenor - Opernregisseurin · Mezzo (Sprechgesang) - Theaterregisseur · Tenor - Filmregisseur · Bass-Bariton (Sprechgesang) - Dirigent und Repetitor (dirigiert und spielt E-Piano)
Weitere Informationen
Titel:
Radames
Kammeroper
Idee und Libretto von Peter Eötvös
unter Verwendung von Texten von András Jeles, László Najmányi, Manfred Niehaus und Antonio Ghislanzoni
Englische Textfassung von Gregory Vajda
Sprache:
Deutsch, Englisch, Italienisch
Ausgabe:
Aufführungsmaterial
Verlag/Label:
Schott Music
Kompositionsjahr:
1975 (1997)
Spieldauer:
35 ′0 ′′
Uraufführung:
5. März 1976 · Köln (D)
WDR Musik-Theater Festival 1976
Musikalische Leitung: Peter Eötvös
Inszenierung: Peter Eötvös
29. Dezember 1997 · Budapest (H)
Castle Theatre
Musikalische Leitung: Gregory Vajda
Inszenierung: Péter Halász · Kostüme: Sári Gerlóczy; Domokos Moldován · Bühnenbild: Zsolt Csengery
Veranstalter: Budapest Chamber Opera
(szenisch)
Uraufführung (Revision) (Uraufführung der revidierten Fassung)
WDR Musik-Theater Festival 1976
Musikalische Leitung: Peter Eötvös
Inszenierung: Peter Eötvös
29. Dezember 1997 · Budapest (H)
Castle Theatre
Musikalische Leitung: Gregory Vajda
Inszenierung: Péter Halász · Kostüme: Sári Gerlóczy; Domokos Moldován · Bühnenbild: Zsolt Csengery
Veranstalter: Budapest Chamber Opera
(szenisch)
Uraufführung (Revision) (Uraufführung der revidierten Fassung)
Technische Details
Medienart:
Leih-/Aufführungsmaterial
Bestellnummer:
LS 5004-01
Hersteller:
Personen
Aufführungen
Radames
Musikalische Leitung: Joachim Tschiedel
4. April 2008 |
München (Deutschland) , Prinzregententheater
21.00 Uhr
Radames
Musikalische Leitung: Joachim Tschiedel
31. März 2008 |
München (Deutschland) , Prinzregententheater
21.00 Uhr
Radames
Musikalische Leitung: Joachim Tschiedel
29. März 2008 |
München (Deutschland) , Prinzregententheater — Premiere
21.00 Uhr
Radames
Tage alter Musik in Herne 2005
Musikalische Leitung: Errico Fresis
Orchester: Ensemble PanArte
10. November 2005 |
Herne (Deutschland) , Kulturzentrum
20.00 Uhr
Radames
Musikalische Leitung: Gregory Vajda
29. Dezember 1997 |
Budapest (Ungarn) , Castle Theatre — Uraufführung (Revision) (Uraufführung der revidierten Fassung)
Radames
WDR Musik-Theater Festival 1976
Musikalische Leitung: Peter Eötvös
5. März 1976 |
Köln (Deutschland) — Uraufführung
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