Produktdetails
Beschreibung
,,Vor Schuberts Musik stürzt die Träne aus dem Auge, ohne erst die Seele zu befragen:
so unbildlich und real fällt sie in uns ein. Wir weinen, ohne zu wissen warum; weil wir so noch nicht sind, wie jene Musik es ver-spricht [...].“ (Theodor W. Adorno über Franz Schubert)
Über den Ausgangspunkt seines Auftragswerkes zum Thema „Franz Schubert“ war sich Jörg Widmann schnell im Klaren: Im Zentrum seiner Arbeit sollte die Melodik Schuberts stehen. „Schubert ist ein Genie der Melodik“, sagt Widmann. Nichts habe ihn so sehr fasziniert an dessen Schatten wie die Fähigkeit, Melodien zu erdenken, auszuformulieren, auszuspinnen – Melodien freilich, die nicht nur „schön“ sind, sondern die den Hörer unmittelbar gefangen nehmen in ihrer ungeheuren Intensität. Widmanns ursprüngliche Stückidee bestand daher darin, ein einstimmiges Orchesterwerk zu schreiben, ein Werk also, in dem das Orchester zu einem einzigen Gesangsapparat wird, in dem „alle Instrumente singen, unablässig singen, eine Art ewige Melodie“. Geplant war, mit anderen Worten, ein Orchesterstück, das „seine Linien ganz ungeschützt und ,nackt‘ präsentiert, ohne ,Haltenetz‘ ohne Sicherheit, als wenn man einem Schubert-Lied die Begleitung wegnehmen würde“.
Diese Idee hat sich erhalten in Widmanns Lied für Orchester, doch rückte er insofern von seinem anfänglichen Vorhaben ab, als er sich dazu entschloss, neben den einstimmigen Partien auch Abschnitte einzuarbeiten, die zwischen Ein- und Mehrstimmigkeit vermitteln. Erreicht wird dies durch die Hinzufügung harmonisch-klanglicher Ebenen, was dann allerdings dazu führen kann, dass einzelne Passagen des Werkes regelrecht auseinander zu brechen drohen, weil sich zwei Satzschichten scheinbar unversöhnlich gegenüber stehen: im Vordergrund der melodische Linienzug, oft im dreifachen Forte, affektiv aufgeladen; darunter eine harmonische Grundschicht, die, zuweilen im vierfachen Piano und kaum mehr hörbar, maskenhaft, bedrohlich und fahl den fernen Klanggrund bildet.
Was auf diesem Wege Eingang in Widmanns Komposition finden konnte, war der für Schuberts Musiksprache so typische Charakter des „Suchens“, des - harmonischen - „Wanderns“, das ständige „Verirren“ und „Doch-Weitergehen-Müssen“, das sich immer dann einstellt‘ wenn Klänge unaufgelöst bleiben und eine andere Fortsetzung erfahren als erwartet. Genau dieses „Verloren-Sein“ des musikalischen Subjekts im Geschehen macht für Widmann auch die ungemeine Modernität Schuberts aus. Kon-krete Anspielungen auf bestimmte Werke wollte er zwar vermeiden, doch musste er die Erfahrung machen, dass Schuberts Streichquintett sowie sein Oktett, sei es auch nur in kleinsten Details, in seine Kom-position „hineindrängten“. Das Resultat ist ein Werk, das von der besonderen Atmosphäre und Emotionalität der Schubertschen Musik zehrt, dabei auf zentrale kompositorische Techniken Schuberts zugreift – und doch in jedem Moment der eigenen Ausdrucksweise Widmanns verhaftet ist.
-Torsten Blaich, in: Programmheft Bamberger Symphoniker 10. Dezember 2003
so unbildlich und real fällt sie in uns ein. Wir weinen, ohne zu wissen warum; weil wir so noch nicht sind, wie jene Musik es ver-spricht [...].“ (Theodor W. Adorno über Franz Schubert)
Über den Ausgangspunkt seines Auftragswerkes zum Thema „Franz Schubert“ war sich Jörg Widmann schnell im Klaren: Im Zentrum seiner Arbeit sollte die Melodik Schuberts stehen. „Schubert ist ein Genie der Melodik“, sagt Widmann. Nichts habe ihn so sehr fasziniert an dessen Schatten wie die Fähigkeit, Melodien zu erdenken, auszuformulieren, auszuspinnen – Melodien freilich, die nicht nur „schön“ sind, sondern die den Hörer unmittelbar gefangen nehmen in ihrer ungeheuren Intensität. Widmanns ursprüngliche Stückidee bestand daher darin, ein einstimmiges Orchesterwerk zu schreiben, ein Werk also, in dem das Orchester zu einem einzigen Gesangsapparat wird, in dem „alle Instrumente singen, unablässig singen, eine Art ewige Melodie“. Geplant war, mit anderen Worten, ein Orchesterstück, das „seine Linien ganz ungeschützt und ,nackt‘ präsentiert, ohne ,Haltenetz‘ ohne Sicherheit, als wenn man einem Schubert-Lied die Begleitung wegnehmen würde“.
Diese Idee hat sich erhalten in Widmanns Lied für Orchester, doch rückte er insofern von seinem anfänglichen Vorhaben ab, als er sich dazu entschloss, neben den einstimmigen Partien auch Abschnitte einzuarbeiten, die zwischen Ein- und Mehrstimmigkeit vermitteln. Erreicht wird dies durch die Hinzufügung harmonisch-klanglicher Ebenen, was dann allerdings dazu führen kann, dass einzelne Passagen des Werkes regelrecht auseinander zu brechen drohen, weil sich zwei Satzschichten scheinbar unversöhnlich gegenüber stehen: im Vordergrund der melodische Linienzug, oft im dreifachen Forte, affektiv aufgeladen; darunter eine harmonische Grundschicht, die, zuweilen im vierfachen Piano und kaum mehr hörbar, maskenhaft, bedrohlich und fahl den fernen Klanggrund bildet.
Was auf diesem Wege Eingang in Widmanns Komposition finden konnte, war der für Schuberts Musiksprache so typische Charakter des „Suchens“, des - harmonischen - „Wanderns“, das ständige „Verirren“ und „Doch-Weitergehen-Müssen“, das sich immer dann einstellt‘ wenn Klänge unaufgelöst bleiben und eine andere Fortsetzung erfahren als erwartet. Genau dieses „Verloren-Sein“ des musikalischen Subjekts im Geschehen macht für Widmann auch die ungemeine Modernität Schuberts aus. Kon-krete Anspielungen auf bestimmte Werke wollte er zwar vermeiden, doch musste er die Erfahrung machen, dass Schuberts Streichquintett sowie sein Oktett, sei es auch nur in kleinsten Details, in seine Kom-position „hineindrängten“. Das Resultat ist ein Werk, das von der besonderen Atmosphäre und Emotionalität der Schubertschen Musik zehrt, dabei auf zentrale kompositorische Techniken Schuberts zugreift – und doch in jedem Moment der eigenen Ausdrucksweise Widmanns verhaftet ist.
-Torsten Blaich, in: Programmheft Bamberger Symphoniker 10. Dezember 2003
Orchesterbesetzung
3 (3. auch Picc.) · 2 · 3 · 2 (2. auch Kfg.) - 4 · 3 hohe Trp. · 3 · 0 - S. (Vibr. · Beck. · Tamt.) (1 Spieler) - Hfe. · Akk. - Str. (14 · 12 · 10 · 8 · 6)
Weitere Informationen
Titel:
Lied
für Orchester
Ausgabe:
Aufführungsmaterial
Verlag/Label:
Schott Music
Kompositionsjahr:
2003 (2009)
Spieldauer:
25 ′0 ′′
Uraufführung:
10. Dezember 2003 · Bamberg (D)
Konzert- und Kongresshalle, Joseph-Keilberth-Saal
Musikalische Leitung: Jonathan Nott · Bamberger Symphoniker
23. April 2010 · London (UK)
Barbican Hall
Musikalische Leitung: Lawrence Renes · BBC Symphony Orchestra
(Uraufführung der revidierten Fassung)
Konzert- und Kongresshalle, Joseph-Keilberth-Saal
Musikalische Leitung: Jonathan Nott · Bamberger Symphoniker
23. April 2010 · London (UK)
Barbican Hall
Musikalische Leitung: Lawrence Renes · BBC Symphony Orchestra
(Uraufführung der revidierten Fassung)
Auftragswerk:
Auftragswerk der Bamberger Symphoniker
Schlagworte:
Technische Details
Medienart:
Leih-/Aufführungsmaterial
Bestellnummer:
LS 5008-01
Lieferrechte:
Weltweit
Hersteller:
Medieninhalte
Audio:
Aufführungen
Lied
Musikalische Leitung: Franz Welser-Möst
Orchester: Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks
5. Dezember 2013 |
München (Deutschland) , Residenz, Herkulessaal
20:00
Lied
Musikalische Leitung: Franz Welser-Möst
Orchester: Wiener Philharmoniker
2. März 2013 |
New York, NY (Vereinigte Staaten von Amerika) , Carnegie Hall
19:30
Lied
Musikalische Leitung: Franz Welser-Möst
Orchester: Wiener Philharmoniker
27. Februar 2013 |
Toronto (Kanada) , Roy Thomson Hall
19:30
Lied
Musikalische Leitung: Franz Welser-Möst
Orchester: The Cleveland Orchestra
19. Januar 2013 |
Cleveland, OH (Vereinigte Staaten von Amerika) , Severance Hall
Lied
Musikalische Leitung: Franz Welser-Möst
Orchester: The Cleveland Orchestra
17. Januar 2013 |
Cleveland, OH (Vereinigte Staaten von Amerika) , Severance Hall — nationale Erstaufführung
Lied
NOW! zurücknachvorn
Musikalische Leitung: Brad Lubman
Orchester: WDR Sinfonieorchester Köln
3. November 2012 |
Essen (Deutschland) , Philharmonie, Alfried Krupp Saal
20.00 h
Lied
Musikalische Leitung: Pavel Šnajdr
Orchester: Filharmonie Hradec Králové
1. November 2011 |
Hradec Králové (Tschechische Republik) , Sál Filharmonie — nationale Erstaufführung
Lied
Musikalische Leitung: Franz Welser-Möst
Orchester: Tonhalle-Orchester Zürich
7. Mai 2010 |
Zürich (Schweiz) , Tonhalle, Großer Saal
19.30 Uhr
Lied
Musikalische Leitung: Franz Welser-Möst
Orchester: Tonhalle-Orchester Zürich
6. Mai 2010 |
Zürich (Schweiz) , Tonhalle, Großer Saal
12.15 Uhr & 19.30 Uhr
Lied
Musikalische Leitung: Franz Welser-Möst
Orchester: Tonhalle-Orchester Zürich
5. Mai 2010 |
Zürich (Schweiz) , Tonhalle, Großer Saal — nationale Erstaufführung
19.30 Uhr
Lied
Musikalische Leitung: Lawrence Renes
Orchester: BBC Symphony Orchestra
23. April 2010 |
London (Vereinigtes Königreich Großbritannien und Nordirland) , Barbican Hall — Uraufführung (Uraufführung der revidierten Fassung)
19.30 h
Lied
Musikalische Leitung: Stephan Tetzlaff
Orchester: Städtisches Orchester Bremerhaven
28. März 2006 |
Bremerhaven (Deutschland) , Stadttheater
19.30 Uhr
Lied
Musikalische Leitung: Stephan Tetzlaff
Orchester: Städtisches Orchester Bremerhaven
27. März 2006 |
Bremerhaven (Deutschland) , Stadttheater
20.00 Uhr
Lied
Edinburgh International Festival 2005
Musikalische Leitung: Jonathan Nott
Orchester: Bamberger Symphoniker
3. September 2005 |
Edinburgh (Vereinigtes Königreich Großbritannien und Nordirland) , Usher Hall — nationale Erstaufführung
19.00 h
Lied
Musikalische Leitung: Jonathan Nott
Orchester: Bamberger Symphoniker
14. Dezember 2003 |
Schweinfurt (Deutschland) , Theater
Lied
Musikalische Leitung: Jonathan Nott
Orchester: Bamberger Symphoniker
11. Dezember 2003 |
Bayreuth (Deutschland) , Stadthalle
Lied
Musikalische Leitung: Jonathan Nott
Orchester: Bamberger Symphoniker
10. Dezember 2003 |
Bamberg (Deutschland) , Konzert- und Kongresshalle, Joseph-Keilberth-Saal — Uraufführung
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