Produktdetails
Beschreibung
INHALT
Früh morgens blickt Hérodiades Amme aus dem geöffneten Fenster des einsamen Turms, in dem die Prinzessin lebt und sich auf ihre Heirat vorbereitet. Die Natureindrücke lassen die Gedanken der Amme um die morbide Stimmung ihrer Herrin kreisen, die an der Leere und Sinnlosigkeit allen menschlichen Handelns zu verzweifeln droht. Als Hérodiade erscheint, begrüßt die Amme sie freudig, doch Hérodiade bleibt in ihrer düsteren Gedankenwelt gefangen. Sie bittet die Amme, ihr Haar mit duftendem Wasser zu waschen und es hochzustecken, wehrt diese körperliche Annäherung dann aber doch entsetzt ab.
In ihren Visionen träumt Hérodiade zwar von einem Mann, den sie einmal heiraten will; zugleich verweigert sie sich aber zunächst dem Gedanken der Hingabe und zieht ihre Einsamkeit vor; erst am Ende erkennt sie, wie gefangen sie in ihrer Welt war.
KOMMENTAR
Hindemith erhielt 1944 von der amerikanischen Tänzerin und Choreografin Martha Graham das Angebot, eine Ballettmusik mit dem Sujet einer mythologischen Frauengestalt zu komponieren. Statt des von Graham gewünschten Medea- Mythos wählte er die Figur der Herodias, die ihre Tochter Salome dazu anstiftet, sich von ihrem Stiefvater Herodes die Hinrichtung von Johannes dem Täufer zu wünschen. Die biblische Geschichte bildet die Grundlage für das inhaltlich rätselhafte, sprachlich äußerst komplexe und assoziationenreiche Gedichtfragment gleichen Titels, an dem der französische Symbolist Stéphane Mallarmé (1842- 1898) seit 1864 bis zu seinem Tod gearbeitet hatte. Das Gedicht Sainte von Mallarmé vertonte Hindemith im gleichen Zeitraum als Klavierlied. Mit dem Ballett Hérodiade unternahm Hindemith den Versuch, „Worte, poetische Idee, lyrischen Ausdruck und Musik in ein einheitliches Ganzes zusammenzuschmelzen, dabei aber auf das Ausdrucksmittel, das einer solchen Mischform am natürlichsten sich darbieten würde, den Gesang nämlich, völlig zu verzichten.“ Indem die Melodielinien die Deklamation der Verse übernehmen, entsteht eine „orchestrale Rezitation“. Hindemith gliederte Mallarmés Gedicht in insgesamt elf unterschiedlich lange Abschnitte, die jeweils in Tempo, Metrum und Tonalität voneinander zu unterscheiden sind. In dem Kammerorchester aus solistisch besetzten Bläsern und Streichern sowie Klavier sind die Streichinstrumente der Amme zugeordnet, während Hérodiades Impulsivität durch solistische Passagen oder das Miteinander aller beteiligten Instrumente herausgestellt wird. Die bereits zu Hindemiths Lebzeiten geübte Praxis, das Gedicht synchron zur Musik zu deklamieren, um die unmittelbaren Verbindungen zwischen Gedicht und musikalischer Umsetzung hörbar zu machen, hat der Komponist ebenso kritisch gesehen wie die abstrakte Choreografie, die Martha Graham für die Uraufführung entworfen hatte. (S.Sch.-G.)
Früh morgens blickt Hérodiades Amme aus dem geöffneten Fenster des einsamen Turms, in dem die Prinzessin lebt und sich auf ihre Heirat vorbereitet. Die Natureindrücke lassen die Gedanken der Amme um die morbide Stimmung ihrer Herrin kreisen, die an der Leere und Sinnlosigkeit allen menschlichen Handelns zu verzweifeln droht. Als Hérodiade erscheint, begrüßt die Amme sie freudig, doch Hérodiade bleibt in ihrer düsteren Gedankenwelt gefangen. Sie bittet die Amme, ihr Haar mit duftendem Wasser zu waschen und es hochzustecken, wehrt diese körperliche Annäherung dann aber doch entsetzt ab.
In ihren Visionen träumt Hérodiade zwar von einem Mann, den sie einmal heiraten will; zugleich verweigert sie sich aber zunächst dem Gedanken der Hingabe und zieht ihre Einsamkeit vor; erst am Ende erkennt sie, wie gefangen sie in ihrer Welt war.
KOMMENTAR
Hindemith erhielt 1944 von der amerikanischen Tänzerin und Choreografin Martha Graham das Angebot, eine Ballettmusik mit dem Sujet einer mythologischen Frauengestalt zu komponieren. Statt des von Graham gewünschten Medea- Mythos wählte er die Figur der Herodias, die ihre Tochter Salome dazu anstiftet, sich von ihrem Stiefvater Herodes die Hinrichtung von Johannes dem Täufer zu wünschen. Die biblische Geschichte bildet die Grundlage für das inhaltlich rätselhafte, sprachlich äußerst komplexe und assoziationenreiche Gedichtfragment gleichen Titels, an dem der französische Symbolist Stéphane Mallarmé (1842- 1898) seit 1864 bis zu seinem Tod gearbeitet hatte. Das Gedicht Sainte von Mallarmé vertonte Hindemith im gleichen Zeitraum als Klavierlied. Mit dem Ballett Hérodiade unternahm Hindemith den Versuch, „Worte, poetische Idee, lyrischen Ausdruck und Musik in ein einheitliches Ganzes zusammenzuschmelzen, dabei aber auf das Ausdrucksmittel, das einer solchen Mischform am natürlichsten sich darbieten würde, den Gesang nämlich, völlig zu verzichten.“ Indem die Melodielinien die Deklamation der Verse übernehmen, entsteht eine „orchestrale Rezitation“. Hindemith gliederte Mallarmés Gedicht in insgesamt elf unterschiedlich lange Abschnitte, die jeweils in Tempo, Metrum und Tonalität voneinander zu unterscheiden sind. In dem Kammerorchester aus solistisch besetzten Bläsern und Streichern sowie Klavier sind die Streichinstrumente der Amme zugeordnet, während Hérodiades Impulsivität durch solistische Passagen oder das Miteinander aller beteiligten Instrumente herausgestellt wird. Die bereits zu Hindemiths Lebzeiten geübte Praxis, das Gedicht synchron zur Musik zu deklamieren, um die unmittelbaren Verbindungen zwischen Gedicht und musikalischer Umsetzung hörbar zu machen, hat der Komponist ebenso kritisch gesehen wie die abstrakte Choreografie, die Martha Graham für die Uraufführung entworfen hatte. (S.Sch.-G.)
Orchesterbesetzung
1 · 1 · 1 · 1 - 1 · 0 · 0 · 0 - Klav. - Str.
Personenbesetzung
Zwei Tänzerinnen
Weitere Informationen
Titel:
Hérodiade
de Stéphane Mallarmé
Récitation Orchestrale
Ausgabe:
Aufführungsmaterial
Verlag/Label:
Schott Music
Kompositionsjahr:
1944
Spieldauer:
22 ′0 ′′
Uraufführung:
30. Oktober 1944 · Washington, DC (USA)
Library of Congress, Elizabeth Sprague Coolidge Auditorium
Kostüme: Edythe Gilfond · Bühnenbild: Isamu Noguchi · Choreographie: Martha Graham
(szenisch)
Library of Congress, Elizabeth Sprague Coolidge Auditorium
Kostüme: Edythe Gilfond · Bühnenbild: Isamu Noguchi · Choreographie: Martha Graham
(szenisch)
Reihe:
Technische Details
Medienart:
Leih-/Aufführungsmaterial
Bestellnummer:
LS 2236-01
Hersteller:
Medieninhalte
Audio:
Mehr aus dieser Reihe
Hérodiade
Aufführungen
Hérodiade
Musikalische Leitung: Christian Zacharias
Orchester: Saint Paul Chamber Orchestra
27. April 2013 |
Saint Paul, MN (Vereinigte Staaten von Amerika) , Ordway Center for the Performing Arts
Hérodiade
Musikalische Leitung: Christian Zacharias
Orchester: Saint Paul Chamber Orchestra
26. April 2013 |
Saint Paul, MN (Vereinigte Staaten von Amerika) , Ordway Center for the Performing Arts
Hérodiade
Musikalische Leitung: Richard Scerbo
Orchester: Inscape, Inc.
17. März 2013 |
Washington, DC (Vereinigte Staaten von Amerika) , National Gallery of Art
Hérodiade
Musikalische Leitung: David Ridell
Orchester: Randers Kammerorkester
8. Februar 2013 |
Randers (Dänemark) , Vaerket
19:30
Hérodiade
Musikalische Leitung: Daniel Grossmann
Orchester: Orchester Jakobsplatz München
26. Januar 2012 |
München (Deutschland) , Allerheiligen Hofkirche
Hérodiade
Musikalische Leitung: Jean-Pierre Pinet
Orchester: Ensemble Stravinsky
6. November 2010 |
Metz (Frankreich) , Arsenal
Hérodiade
Musikalische Leitung: John Storgårds
Orchester: Lapin kamariorkesteri
3. September 2010 |
Ylitornio (Finnland)
Hérodiade
Musikalische Leitung: John Storgårds
Orchester: Lapin kamariorkesteri
2. September 2010 |
Rovaniemi (Finnland)
Hérodiade
Summer Sounds 2009
Musikalische Leitung: Hannu Lintu
Orchester: Avanti! Chamber Orchestra
29. Juni 2009 |
Porvoo (Finnland)
Hérodiade
Musikalische Leitung: Richard Scerbo
16. November 2008 |
Bethesda, MD (Vereinigte Staaten von Amerika) , Episcopal Church of the Redeemer
Hérodiade
Musikalische Leitung: Peter Burwik
Orchester: Ensemble XX. Jahrhundert
17. Oktober 2008 |
Wien (Österreich) , Ehrbar Saal
19.30 Uhr
Hérodiade
Musikalische Leitung: Christian Zacharias
Orchester: Orchestre de Chambre de Lausanne
30. April 2008 |
Genève (Schweiz) , Victoria Hall
20.00 h
Hérodiade
Musikalische Leitung: Christian Zacharias
Orchester: Orchestre de Chambre de Lausanne
29. April 2008 |
Lausanne (Schweiz) , Salle Métropole
20.30 h
Hérodiade
Musikalische Leitung: Christian Zacharias
Orchester: Orchestre de Chambre de Lausanne
28. April 2008 |
Lausanne (Schweiz) , Salle Métropole
20.30 h
Hérodiade
Lucerne Festival 2006
Musikalische Leitung: Christoph Mueller
Orchester: Camerata Zürich
6. September 2006 |
Luzern (Schweiz) , Lukaskirche
19.30 Uhr
Hérodiade
Musikalische Leitung: Fernando Marina
Orchester: Orquesta Sinfónica de Baleares
12. November 2005 |
Palma de Mallorca (Spanien) , Conservatorio de Música y Danza
21.00 h
Hérodiade
Musikalische Leitung: Jonathan McPhee
Orchester: Lexington Sinfonietta
8. Januar 2005 |
Lexington (MA) (Vereinigte Staaten von Amerika) , Hancook Church
Hérodiade
Musikalische Leitung: Paul Hindemith
31. März 1962 |
Roma (Italien) , Teatro dell'Opera — nationale Erstaufführung
Hérodiade
Musikalische Leitung: Paul Hindemith
17. Dezember 1961 |
Mannheim (Deutschland) , Nationaltheater — nationale Erstaufführung
Hérodiade
Musikalische Leitung: Hans Rosbaud
Orchester: Südwestfunk-Orchester
28. Januar 1949 |
Baden-Baden (Deutschland) — nationale Erstaufführung
Rezensionen
Nur registrierte Benutzer:innen können Bewertungen schreiben. Bitte loggen Sie sich ein oder erstellen Sie ein Konto.