Frau Luna
Produktdetails
Beschreibung
Linckes Musiknummern sind gleichermaßen Evergreens und Gassenhauer. Die musikalischen Eckpfeiler „Schlösser, die im Monde liegen“ und die in spätere Fassungen eingefügte „Berliner Luft“ umrahmen Divenmaterial à la Anneliese Rothenberger und doppeldeutigen Possenhumor für die Geschwister Pfister im Tipi am Kanzleramt. Bereits bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs gab es von der Traumeskapade des Ingenieur-Tüftlers Fritz Steppke auf den Mond und zurück immer aufwendigere Spielfassungen.
Auf die Fassung des Dramaturgen und Operetten-Fachautors Otto Schneidereit für das Ostberliner Metropol- Theater 1957 (siehe zweiter Eintrag) schwören Expert:innen bis heute. Diese ist so verbreitet, dass es immer wieder zu Verwechslungen mit dem Originaltextbuch kommt. Schneidereit parallelisierte die Mond-Personage konsequent mit Figuren und Typen aus dem Berliner Zille-Milieu. So erhält Frau Luna, die „Göttin des Mondes“, in der Chansonette Flora Huschke eine terrestrische Parallelfigur. Lunas Verehrer Prinz Sternschnuppe verlängerte Schneidereit zum Berliner Leutnant von Schlettow. Und sogar der Briefträger aus dem Traum des Raumfahrtpioniers Fritz Steppke hat einen Doppelgänger im Mondboten. Egal in welcher Fassung: Mit Frau Luna schuf Lincke den Prototyp der Berliner Operette – frech, knapp und: „die Leute uffs Maul jeschaut“.