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Leih-/Aufführungsmaterial

Der Rattenfänger

Ein Hamelner Totentanz in 11 Bildern, einem Prolog und einem Epilog
Libretto von Michael Ende
Bestellnummer: LS 2197-01
Ausgabe: Aufführungsmaterial

Produktdetails

Beschreibung

„Es gibt Legenden oder Mythen, die nicht fertig geworden sind … De facto – wenn wir rein historisch denken wollen – besteht die Legende vom Rattenfänger von Hameln aus zwei ganz verschiedenen Teilen, die zudem ganz verschiedenen Ursprungs sind. Da ist zum einen die Geschichte von dem Mann, der die Ratten aus der Stadt führt, das heißt, die Stadt von einer Rattenplage befreit; sie stammt aus Südfrankreich. Zum anderen ist da jene Geschichte von dem Pfeifer, der die Kinder fortführt; sie beruht auf einer Inschrift auf dem so genannten Rattenfängerhaus in Hameln und hatte zunächst mit der Ratten-Geschichte gar nichts zu tun. Erst später, ungefähr im 15., 16. Jahrhundert, sind diese beiden Legenden zu einer einzigen zusammengewachsen – man hat sozusagen eine Art Kausalzusammenhang von der einen zur anderen hergestellt. Das ist aber nie ganz gelungen; denn zwei wichtige Elemente fehlen, werden nie benannt. Zum einen: warum ist die Rattenplage in Hameln ausgebrochen – in einer Legende, in einem Mythos hat ein solches Geschehen immer einen Grund, es geschieht nicht nur akzidentiell. Der zweite Punkt betrifft die Frage: was verlangt der Rattenfänger als Lohn? Wenn man die üblichen Varianten der Sage liest, bleibt diese Frage offen, die Antwort wechselt von Version zu Version, einmal ist es des ‚Bürgermeisters Töchterlein’, dann sind es ‚100 Silbermark’, und dann wieder etwas anderes – das heißt mit anderen Worten: man weiß es nicht.

Mir war eigentlich von vorneherein klar, dass diese beiden Punkte etwas miteinander zu tun haben: dass das, was die Rattenplage über die Stadt gebracht hat, zugleich jenes ist, das der Rattenfänger als Lohn verlangt. Etwas, das weg muss, damit die Stadt wieder gesund werden kann … So bin ich im Laufe meiner Arbeit an diesem Stoff nach und nach darauf ge-kommen, hier etwas einzuführen, das auch aus dem mittelalterlichen Imaginationskreis stammt: die Figur des – bitte entschuldigen Sie die drastische Formulierung, aber in der alten Ausdrucksweise heißt es so – Geldscheißers; meines Wissen ist sie noch nie literarisch behandelt worden. Hinzu kommt eine andere Sache – ein anderer Ausdruck, der bis in die Mitte des vorigen Jahrhunderts hinein noch allgemein verständlich war: der Rattenkönig. Mit ‚Rattenkönig’ meint man eine undurchschaubare Machtverfilzung, eine Verfilzung von Macht- und Wirtschaftinteressen im Sinne heutiger Lobby-Arbeit.

Um den Mythos zu ergänzen und sozusagen zu vervollständigen, führte ich jenes Bild in die Geschichte ein: als eine Art Popanz, als ein dämonisches Wesen, das fortwährend Geld produziert; nur die reichen Bürger von Hameln wissen um ihn, nur sie kennen den geheimen Ort, wo er sich befindet. Er ist ein unheimlicher Popanz – denn jedes Mal, wenn er ein Geldstück produziert, geht zugleich eine Art Todesgeist, ein verkleinertes Abbild dieses ‚Rattenkönigs’, von ihm aus in die Welt hinaus, und irgendetwas muss sterben. Das kann ein Baum sein, ein Fluss, oder auch ein Kind … irgendetwas muss für dieses Geldstück sterben.

Bereits zu Beginn der Oper ist Hameln von diesen Todesgeistern befallen, überall kriechen die Siechen und die Lahmen umher, die ganze Umgebung von Hameln ist schon eine Wüste oder ein stinkender Sumpf, die Weser ist tot, die Bäume sind abgestorben. Aber es geht weiter – denn die Bürger von Hameln können aus diesem Kreislauf, in den sie hineingeraten sind, nicht mehr hinaus. Sie wollen es, sie versuchen es – aber sie können es nicht mehr …

Die Kinder sind – ohne zu wissen, warum – die Leidtragenden dieser Situation. (Beim Schreiben habe ich an die Straßenkinder von Mexiko City und Neu-Delhi gedacht …). Um sie zu retten, führt mein Rattenfänger sie aus der Stadt hinaus und in den Berg hinein: in den – wie er auch in der Legende heißt, und das nicht ohne Grund – Calvarienberg, der sich öffnet … weil kein anderer Ausweg mehr bleibt.“

(Michael Ende, aus einem Gespräch mit Gabriele Eikermann, zitiert nach: Programmheft der Dortmunder Uraufführung, Theater Dortmund, Spielzeit 1993/94)

„Ich habe damals, als ich mich mit dem Stoff näher auseinanderzusetzen begann, mich sehr intensiv mit der Musik des 13. Jahrhunderts und sogar teilweise noch davor befasst. Und so wird man Stellen in dem Stück bemerken, die eindeutig auf die Musik der Gotik zurückgehen, also Verzicht auf Terzen, keine Schlussauflösungen, vielfach in den Singstimmen, aber auch im Streichorchestersatz. Die Klangwelt des Spielmanns, also des Rattenfängers in meiner Oper, basiert stilistisch stark auf ostjüdischer Musik, wie man sie in Galizien, Bessarabien, Böhmen und Mähren findet, in einer Gegend also, aus der der historische Rattenfänger gekommen sein dürfte. Ich habe mir, um mich dieser Richtung anzunähern, sehr viel Notenmaterial besorgt; trotzdem stammt jede Note des Spielmanns von Hiller. Dieser Stil übrigens wird im Laufe des Stückes immer mehr von den Frauen, mit denen der Rattenfänger zu tun hat, also von Atela und Magdalena, aufgegriffen, vermischt sich mit dem, was wir vorher gehört haben, wird gewissermaßen amalgamiert. Das Fremde zieht an und reizt zur Nachahmung.

Als Michael Ende mir das fertige Libretto geliefert hat, bin ich sofort daran gegangen, eine musikalische Struktur zu entwickeln, ein architektonisches Skelett, indem ich gleichsam ‚Interpunktionen’ gesetzt habe, so zum Beispiel das Komma mit den Claves oder das Fragezeichen mit dem Becken. Endes Libretto habe ich in gewissem Sinne in Farben zu tauchen versucht, so dass jedes Bild seinen ganz eigenen Klangcharakter hat.“

(Wilfried Hiller, Aus einem Gespräch mit Andreas K.W. Meyer, zitiert nach: Programmheft der Kieler Inszenierung, Bühnen der Landeshauptstadt Kiel, Spielzeit 1995/96)

Orchesterbesetzung

3 (2. auch Picc., 3. auch Altfl.) · 0 · 0 · 2 · Kfg. - 4 · 4 (1. auch hohe Trp. [ad lib.]) · 3 · 1 - P. S. (Glsp. · Xyl. · Bassxyl. · 2 Marimba · Trgl. · Zimb. · Zimbelspiel · 4 hg. Beck. · chin. Gongs · Buckelgongs · 2 Tamt. · 1 gr. balinesischer Gong · 4 Tomt. · Bong. · 6 Cong. · Schellentr. · 6 Holztr. · gr. Tr. · 2 Tempelbl. · Mar. · Clav. · Röhrengl. · gestimmte Weingläser · Steinspiel · Flusssteine · Windmasch.) (3 Spieler) - Hfe. · Klav. (auch Cel.) - Str. -
Auf der Bühne: gr. Mühlstein, mit gestimmten Bambusrohren zu bespielen - 6 Cong. · Messgl. · Tamb. · kl. Tr. · Rührtr. - Harm. - Chor mit Flusssteinen - Pos. - Vl. · Va. · Kb.

Person Cast

Der Spielmann · Klarinette - Bürgermeister Heiner Gruelhot · Bass - Atela, seine Frau · dramatischer Sopran - Magdalena, deren Tochter · lyrischer Alt - Amelung Reicke, Vogt · Bariton - Abt Lambert · Mezzosopran - Gottfried Weregesius, der Seher · Charakter-Tenor - Bruder Fuchsgesicht · stumme Rolle - Der blinde Junge · helle Knabenstimme - Das lahme Mädchen · helle Mädchenstimme - Drei Weiber · Sopran, Mezzosopran, Alt - Drei Männer · Tenor, Bariton, Bass - Die Armen, die Reichen, Landsknechte · Chor - eine Schar von Kindern, Ratsherren, Büttel, Mägde, Rattenkönig (überdimensionaler Popanz), Rattengeister, Mönche

Weitere Informationen

Titel:
Der Rattenfänger
Ein Hamelner Totentanz in 11 Bildern, einem Prolog und einem Epilog
Libretto von Michael Ende
(Trilogie der Sagen II)
Sprache:
Deutsch
Ausgabe:
Aufführungsmaterial
Verlag/Label:
Schott Music
Kompositionsjahr:
1992 - 1993
Uraufführung:
26. Sep 1993 · Dortmund, Opernhaus (D)
Musikalische Leitung: Laurent Wagner · Choreinstudierung: Adreas Hempel
Inszenierung: Heinz Lukas-Kindermann · Kostüme: Hans Georg Schäfer · Bühnenbild: Hans Georg Schäfer · Choreographie: Ralf Rossa
Auftragswerk:
Auftragswerk des Theaters Dortmund
Reihe:

Technische Details

Bestellnummer:
LS 2197-01

Aufführungen

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