Antiphon
Produktdetails
Beschreibung
Beeindruckt von den Prinzipien und Klangstrukturen der venezianischen Mehrchörigkeit baue ich mir in Antiphon verschiedene in sich homogene Orchester-Chöre (vier Flöten, vier Oboen, vier Klarinetten, vier Fagotte bei den Holzbläsern; vier Hörner, vier Trompeten, vier Posaunen und eine Tuba auf der Blechbläser-Seite; vier Schlagzeuger und Pauke hinten postiert, sowie ein die Tiefen betonendes, vergleichsweise kleines Streicherensemble mit 4 Violinen, 6 Violoncelli und 8 Kontrabässen, davon vier ganz links und vier ganz rechts postiert). Diese einzelnen Mini-Chöre wechseln sich nun permanent auf engstem Raum ab. Meine Vorliebe für kleinste Übergänge und unmerkliches Ineinanderfließen des Klangs habe ich hier ganz aufgegeben zugunsten eines scharf trennenden Spaltklangs, überhaupt einer radikalen Schnitttechnik.
Das Grundmaterial ist ganz einfach und streng eingegrenzt: ein schneller Fanfaren-Rhythmus; ein langsam repetierter, ritualhaft gedehnter Schlagzeug-Puls; und eine melodische Gestalt, die auf jeder neuen Note zu einer anderen Instrumentengruppe wandert. Alles, was folgt, erwächst aus diesen drei Zellen.
Der Fanfaren-Impuls bleibt trotz verschiedener kontrapunktischer Umformungen durch das Stück hindurch in seinem Grundgestus ähnlich, die rhythmische Ur-Gestalt trotz allerlei Modifikationen und Variationen auch. Was sich massiv verändert, ist die melodische Keimzelle: sie wird sukzessive erweitert und gedehnt, bis sie die Funktion einer variierten Strophe mit Schlusssequenz hat. Gleichzeitig wird aus der Einstimmigkeit nach und nach eine Zwei-, Drei- und schließlich Mehrstimmigkeit, die jedoch immer abschnittweise von Instrumentengruppe zu Instrumentengruppe springt. Alles wird der Idee des Wechsel-Gesangs, des Antiphons unterworfen.
- Jörg Widmann, im Februar 2008
Orchesterbesetzung
Weitere Informationen
Alte Oper, Großer Saal
Musikalische Leitung: Paavo Järvi · hr-Sinfonieorchester