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Hans Winterbergs Streichtrio von 1960 gehört zu den substanziellsten Kammermusikwerken des Komponisten. Einerseits gelingt ihm hier eine faszinierende Symbiose der wichtigsten Tendenzen der deutsch-österreichischen und der tschechischen Moderne der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts, andererseits geht er einen entscheidenden Schritt weiter in Richtung einer Tonsprache, in der nicht mehr harmonisch-melodische Komplexität im Vordergrund steht, sondern das Erlebnis unterschiedlicher, gleichzeitig sich ereignender Tempoerfahrungen. Dieser Weg, der seinen Ursprung bei Janáček hat, kulminierte schließlich in den Werken der späten 1960er Jahre, allen voran in der Rhythmophonie für Symphonieorchester, in dem dieses Kompositionsprinzips titelgebend wurde. Winterberg, 1901 in Prag als Spross einer seit Jahrhunderten in Prag ansässigen jüdischen Familie geboren, studierte dort u. a. bei Alexander Zemlinsky und Alois Hába. Er überlebte die Shoah durch glückliche Fügungen und emigrierte nach dem Krieg nach München, wo ihm in den 1950er und 60er Jahren eine erfolgreiche zweite Komponistenlaufbahn gelang. Das Streichtrio wurde 1962 von den Mitgliedern des Symphonieorchesters des Bayerischen Rundfunks Angelika Rümann, Franz Schessl und Wilhelm Schneller im Studio des Bayerischen Rundfunks aufgenommen. Die Uraufführung coram publico spielte das Münchner Streichtrio 1964 in Esslingen.
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Turning Points - Episode 2: Hans Winterberg
Turning Points - Episode 2: Hans Winterberg
Turning Points - Episode 2: Hans Winterberg
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Hans Winterberg, 1901 als Spross einer seit Jahrhunderten in Prag ansässigen jüdischen Familie geboren, studierte bei Alexander von Zemlinsky und Alois Hába. Bis zur Annexion der Tschechoslowakischen Republik durch Nazideutschland 1939 wirkte er als Dirigent, Pianist und Komponist. Anders als seine Freunde und Kollegen Viktor Ullmann, Hans Krása und Gideon Klein überlebte er die Shoah durch eine Reihe von Wundern. 1945 siedelte er nach München über, wo er eine vielversprechende zweite Karriere begann. Als Vertreter einer gemäßigten Avantgarde sah er sich seit den späten 1960er Jahren mehr und mehr ins Abseits gedrängt. Nach seinem Tod 1991 geriet sein künstlerischer Nachlass in einem deutschen Musikarchiv unter Verschluss und, da zu seinen Lebzeiten kein Werk veröffentlicht worden war, in Vergessenheit. Boosey & Hawkes bringt seit 2023 Winterbergs Kammermusik in einem außergewöhnlichen Editionsprojekt als Erstausgaben heraus in Kooperation mit dem Exilarte Forschungszentrum der Universität für Musik und darstellende Kunst Wien. Sie offenbaren Musik von einzigartigem Reiz, in der Einflüsse Janáčeks, der Zweiten Wiener Schule und des französischen Impressionismus zu einem originellen und aufregenden Personalstil amalgamiert sind.
Im Anschluss an die Kammermusik wird sich das Editionsprojekt den Erstausgaben von Winterbergs Klavierwerken und Liedern widmen.