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In Hans Winterbergs stürmisch bewegter erster Lebenshälfte gab es zwei Ruhepole, Phasen, in denen er das Gefühl haben musste, „angekommen“ zu sein, seinen Weg zu machen und die Anerkennung zu genießen, die seine außerordentliche Begabung verdiente. Mitte der 1930er Jahre, als er in Prag eine Familie gegründet hatte und als freischaffender Komponist seine ersten Meisterwerke schuf. Dann wieder um 1950, als er als Holocaust-Überlebender nach seiner Flucht aus der Tschechoslowakei in München Fuß fasste und erste signifikante Erfolge feiern konnte mit Aufführungen durch die Münchner Philharmoniker und Spitzenmusiker der Stadt. Kaum ein anderes Werk Winterbergs strahlt solche Selbstgewissheit aus und Zuversicht, wie das 1950, im Jahr der äußerst erfolgreichen Uraufführung seines 1. Klavierkonzertes durch die Münchner Philharmoniker entstandene Trio für Klarinette (oder Violine), Cello und Klavier. Mit seinen vier Sätzen und über 15 Minuten Spieldauer gehört es zu seinen umfangreicheren Kammermusikwerken, das alle Charakteristika seines Schaffens in einer gelungenen Symbiose zusammenführt: impressionistische Klangsinnlichkeit, neoklassizistischer Charme und folkloristischer Übermut – Winterbergs Trio 1950, das nun erstmals in seinen beiden Fassungen veröffentlicht wird, ist eine substantielle Bereicherung des Trio-Repertoires des 20. Jahrhunderts.
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Turning Points - Episode 2: Hans Winterberg
Turning Points - Episode 2: Hans Winterberg
Turning Points - Episode 2: Hans Winterberg
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Hans Winterberg, 1901 als Spross einer seit Jahrhunderten in Prag ansässigen jüdischen Familie geboren, studierte bei Alexander von Zemlinsky und Alois Hába. Bis zur Annexion der Tschechoslowakischen Republik durch Nazideutschland 1939 wirkte er als Dirigent, Pianist und Komponist. Anders als seine Freunde und Kollegen Viktor Ullmann, Hans Krása und Gideon Klein überlebte er die Shoah durch eine Reihe von Wundern. 1945 siedelte er nach München über, wo er eine vielversprechende zweite Karriere begann. Als Vertreter einer gemäßigten Avantgarde sah er sich seit den späten 1960er Jahren mehr und mehr ins Abseits gedrängt. Nach seinem Tod 1991 geriet sein künstlerischer Nachlass in einem deutschen Musikarchiv unter Verschluss und, da zu seinen Lebzeiten kein Werk veröffentlicht worden war, in Vergessenheit. Boosey & Hawkes bringt seit 2023 Winterbergs Kammermusik in einem außergewöhnlichen Editionsprojekt als Erstausgaben heraus in Kooperation mit dem Exilarte Forschungszentrum der Universität für Musik und darstellende Kunst Wien. Sie offenbaren Musik von einzigartigem Reiz, in der Einflüsse Janáčeks, der Zweiten Wiener Schule und des französischen Impressionismus zu einem originellen und aufregenden Personalstil amalgamiert sind.
Im Anschluss an die Kammermusik wird sich das Editionsprojekt den Erstausgaben von Winterbergs Klavierwerken und Liedern widmen.