Sudeten-Suite
Produktdetails
Beschreibung
Im Umfeld der nicht-tonalen, rhythmisch komplexen Tonsprache von Hans Winterbergs Werken der 1960er Jahre hat die Sudeten-Suite mit ihrer Rückwendung zur Tonalität ihren eigenen, besonderen Platz. Die drei Sätze sind landschaftlichen „Ereignissen“ in Winterbergs böhmischer Heimat gewidmet, Demarkationspunkte des tschechoslowakischen Territoriums auf der Grenze nach Polen im Norden (Schneekoppe, Elbquellen) und zu Österreich und Deutschland, dem sogenannten Dreiländereck, im Süden (Plöckenstein). Es handelt sich um Programmmusik im besten Sinne in der Tradition von Smetanas Má Vlast, um ein komponiertes Erinnern prägender Landschaften, die für Winterberg nach seiner Flucht aus der kommunistischen Tschechoslowakei 1947 hinter dem Eisernen Vorhang unerreichbar wurden.
Inhalt
Sudeten-Suite: - I Rund um die Schneekoppe
II Rund um den Plöckenstein
III Elbe-Quellen
Weitere Informationen
Technische Details
Medieninhalte
Turning Points - Episode 2: Hans Winterberg
Turning Points - Episode 2: Hans Winterberg
Turning Points - Episode 2: Hans Winterberg
Mehr aus dieser Reihe
Hans Winterberg, 1901 als Spross einer seit Jahrhunderten in Prag ansässigen jüdischen Familie geboren, studierte bei Alexander von Zemlinsky und Alois Hába. Bis zur Annexion der Tschechoslowakischen Republik durch Nazideutschland 1939 wirkte er als Dirigent, Pianist und Komponist. Anders als seine Freunde und Kollegen Viktor Ullmann, Hans Krása und Gideon Klein überlebte er die Shoah durch eine Reihe von Wundern. 1945 siedelte er nach München über, wo er eine vielversprechende zweite Karriere begann. Als Vertreter einer gemäßigten Avantgarde sah er sich seit den späten 1960er Jahren mehr und mehr ins Abseits gedrängt. Nach seinem Tod 1991 geriet sein künstlerischer Nachlass in einem deutschen Musikarchiv unter Verschluss und, da zu seinen Lebzeiten kein Werk veröffentlicht worden war, in Vergessenheit. Boosey & Hawkes bringt seit 2023 Winterbergs Kammermusik in einem außergewöhnlichen Editionsprojekt als Erstausgaben heraus in Kooperation mit dem Exilarte Forschungszentrum der Universität für Musik und darstellende Kunst Wien. Sie offenbaren Musik von einzigartigem Reiz, in der Einflüsse Janáčeks, der Zweiten Wiener Schule und des französischen Impressionismus zu einem originellen und aufregenden Personalstil amalgamiert sind.
Im Anschluss an die Kammermusik wird sich das Editionsprojekt den Erstausgaben von Winterbergs Klavierwerken und Liedern widmen.