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Beschreibung
Maurice Ravel war Baske und schrieb sehr schöne Wiener Walzer. Mozart war aus dem bayerischen Salzburg und schrieb italienische Arien. Strawinsky war Petersburger und machte norwegische Stimmungsbilder, der weiße Gershwin erfand die schönsten schwarzen Spirituals und so weiter. Schon in der Barockzeit interessierten sich Komponisten aller Länder für die Phänomene der spanischen Folklore, die Rhythmen, die harmonischen Vorgänge und die daraus hervorgehende Melodik und auch für die kulturgeschichtlichen Hintergründe, vor denen die magischen Gestalten dieser zeitlosen Musik existieren.
Ich komme aus Westfalen (wie Voltaires Candide), aber meine erste Oper, der Einakter Das Wundertheater stellt eine wortwörtliche Vertonung (auf deutsch) eines Intermezzos von Miguel Cervantes, El teatro de las maravillas dar. Viele Jahre später schrieb ich das Orchesterstück Aria de la folia Española, Variationen über die berühmte Chaconne, für die sich schon so viele Komponisten vor mir immer wieder interessiert haben, und etwa 10 Jahre später, etwa Mitte 1980, machte ich eine Orchesterfantasie über den faszinierenden, zigeunerischen Cembalo-Fandango des Padre Soler. Ich bereitete mich also in all diesen Jahren langsam vor auf die heutigen Sieben Boleros, die ganz zitatenfrei meiner Feder entsprungen und in meinen Augen und Ohren ganz und gar spanische Musik sind oder besser: so wie ich mir das Spanische in der Kunst vorstelle. Man möge mir verzeihen.
Diese Boleros haben eine Vorgeschichte insofern, dass ihre Eigenschaften schon einmal in einem anderen Kontext und in anderer Instrumentierung ein wenig zum Vorschein gekommen sind, und zwar in meiner Oper Venus und Adonis (1997), wo sie zwar das leidenschaftserfüllte Klima jener Theaterhandlung herbeizuführen helfen, aber doch die dienende Rolle des Begleiters von Solopartien nie aufgeben konnten. Abgelöst vom Theater und von den Menschenstimmen, sollen diese Boleros nun als reine Instrumentalmusik gelten und als solche zu verstehen sein, ja, und als Grußbotschaft an ein fernes, wundersam schönes Land, von dem wir Ausländer so wenig wissen, dass wir andauernd davon träumen.
- Hans Werner Henze
Orchesterbesetzung
Inhalt
II "La alabanza"
III "La expectación"
IV "El pavo real"
V "La soberbia"
VI "Dolor"
VII "El gran paso de la Reina Arábica"
Weitere Informationen
Auditorio Alfredo Kraus
Musikalische Leitung: Gerd Albrecht · Yomiuri Nippon Symphony Orchestra