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Sancta Susanna
Oper in einem Akt
Text von August Stramm
Ein spektakulärer Fall: Die Nonne Susanna wird beim nächtlichen Gebet Zeugin der körperlichen Hingabe einer Magd an ihren Geliebten. Ihre Mitschwester Klementia ermahnt Susanna, sich ihrer eigenen Leiblichkeit bewusst zu sein. Sie berichtet von der Mitschwester Beata, die lebendig eingemauert wurde, weil sie in erotisch-religiöser Ekstase Jesus am Kreuz geküsst hatte. Auch Susanna steigert sich in mystische Verzückung und reißt dem Gekreuzigten das Lendentuch vom Leib. Der sie erwartenden Strafe widersetzt sie sich, „aufgerichtet, in unberührter Hoheit“.
Sancta Susanna war nach Mörder, Hoffnung der Frauen (1919) und Das Nusch-Nuschi (1920) der letzte von drei Einaktern, mit denen der junge Paul Hindemith als Opernkomponist auf sich aufmerksam machte. Die Musik spiegelt den unauflöslichen Konflikt zwischen religiösem Gehorsam und körperlicher Askese auf der einen, sexuellem Verlangen und ekstatischer Hingabe auf der anderen Seite. Für die Leibfeindlichkeit der Klosterwelt findet Hindemith Klänge starrer Einförmigigkeit, in den Momenten von Susannas erwachender Sinnlichkeit bricht eine an Debussy erinnernde üppige Klanglichkeit hervor.
Ausgabe: Aufführungsmaterial
Reihe:
Sancta Susanna
Produktdetails
Beschreibung
INHALT
Vor einem Marienaltar in der Nische einer Klosterkirche kniet des Nachts in demütiger Versenkung die Nonne Susanna. Ihre Mitschwester Klementia weckt sie aus ihrer Trance und ermahnt Susanna, sie möge sich ihrer Leiblichkeit bewusst werden.
Durch ein vom Wind aufgeschlagenes Kirchenfenster dringen Duft und Rauschen eines Fliederstrauchs und das Stöhnen einer Magd in den Kirchenraum, die sich mit einem Knecht im Klostergarten vergnügt. Susanna lässt die „scheu umherblickende“ Magd rufen und befragt sie mit nachsichtigem Verständnis nach ihrem Freund, dem „Willem“.
Der „junge, stämmige“ Knecht erscheint, um sein „Mädchen“ abzuholen. Die Sinneseindrücke dieser Nacht erinnern Schwester Klementia an ein Ereignis vor vielen Jahren, von dem sie der gebannt lauschenden Susanna berichtet: die Mitschwester Beata habe eines Nachts unbekleidet das Bild des gekreuzigten Jesu geküsst und sei deswegen bei lebendigem Leibe in die Wand hinter dem Kruzifix eingemauert worden. Immer stärker steigert sich Susanna in eine mystische Verzückung, entledigt sich ihrer Gewänder, reißt in höchster Ekstase dem Gekreuzigten das Lendentuch vom Leibe, sinkt in die Knie und schaut zum Kreuz auf. Eine Spinne, die auf dem Altar kriecht, fällt ihr ins Haar; mit einem Aufschrei stürzt sie zu Boden. Die anderen Nonnen, gerufen von der Gebetsglocke, erscheinen zum Gottesdienst, stocken, als sie die unbeweglich harrende Klementia wahrnehmen, und sammeln sich in einem weiten Halbkreis um Susanna. Aufrecht stehend fordert diese für sich die gleiche Strafe wie einst Beata. Als die Nonnen niederknieen, widersetzt sich Susanna dieser Strafe „plötzlich stark“ mit einem energischen „Nein“. Immer drängender fordern die empörten Nonnen Susanna auf zu beichten. Doch „aufgerichtet, in unberührter Hoheit“ verharrt Susanna vor den sie verdammenden Schwestern.
KOMMENTAR
Sancta Susanna wurde von den Zeitgenossen als stärkster der drei Einakter bewertet. Der Verschmelzung von religiöser Hingabe mit sexuellem Verlangen auf der einen Seite steht die Unvermittelbarkeit unbedingten religiösen Gehorsams und innerer Seelenregungen gegenüber. Zahlreiche Naturerscheinungen weisen auf symbolistische und naturalistische literarische Traditionen hin, wie sie im Werk Maurice Maeterlincks oder August Strindbergs erscheinen.
Die geschlossene musikalische Anlage und der überwiegend rezitativische Stimmduktus vermitteln unmittelbar die Stringenz der Handlung. In symmetrischer Anlage und monothematisch als Folge von Variationen konzipiert, zeigt die Musik Anklänge an die Tonsprache Claude Debussys und entfaltet eine üppige orchestrale Pracht. Aus dem zu Beginn der Oper in der Flöte erklingenden Thema wird das musikalische Geschehen entwickelt. Dabei wird die klösterliche Welt mit starren Klängen und einförmiger Dynamik dargestellt; hingegen wird Susannas erwachende Sinnlichkeit mit ausholenden Melodielinien und einer glitzernden Klangpracht musikalisch ausgearbeitet. Fast euphorisch äußert sich Theodor W. Adorno 1922 zur Sancta Susanna: „Es ist bewundernswert, wie Hindemith hier, in dem reifsten seiner Bühnenwerke, zugleich thematisches Drängen des Orchesterstroms und weitbogige Gesangsmelodien, Schwüle der Frühlingsnacht und Wucht der Katastrophe aus dieser einen, zu sinnlichplastischer Konkretheit geronnenen Grundkraft gewinnt, die ihm unter den Händen zum Symbol des Triebhaften überhaupt geriet.“ (H.-J. W.)
Vor einem Marienaltar in der Nische einer Klosterkirche kniet des Nachts in demütiger Versenkung die Nonne Susanna. Ihre Mitschwester Klementia weckt sie aus ihrer Trance und ermahnt Susanna, sie möge sich ihrer Leiblichkeit bewusst werden.
Durch ein vom Wind aufgeschlagenes Kirchenfenster dringen Duft und Rauschen eines Fliederstrauchs und das Stöhnen einer Magd in den Kirchenraum, die sich mit einem Knecht im Klostergarten vergnügt. Susanna lässt die „scheu umherblickende“ Magd rufen und befragt sie mit nachsichtigem Verständnis nach ihrem Freund, dem „Willem“.
Der „junge, stämmige“ Knecht erscheint, um sein „Mädchen“ abzuholen. Die Sinneseindrücke dieser Nacht erinnern Schwester Klementia an ein Ereignis vor vielen Jahren, von dem sie der gebannt lauschenden Susanna berichtet: die Mitschwester Beata habe eines Nachts unbekleidet das Bild des gekreuzigten Jesu geküsst und sei deswegen bei lebendigem Leibe in die Wand hinter dem Kruzifix eingemauert worden. Immer stärker steigert sich Susanna in eine mystische Verzückung, entledigt sich ihrer Gewänder, reißt in höchster Ekstase dem Gekreuzigten das Lendentuch vom Leibe, sinkt in die Knie und schaut zum Kreuz auf. Eine Spinne, die auf dem Altar kriecht, fällt ihr ins Haar; mit einem Aufschrei stürzt sie zu Boden. Die anderen Nonnen, gerufen von der Gebetsglocke, erscheinen zum Gottesdienst, stocken, als sie die unbeweglich harrende Klementia wahrnehmen, und sammeln sich in einem weiten Halbkreis um Susanna. Aufrecht stehend fordert diese für sich die gleiche Strafe wie einst Beata. Als die Nonnen niederknieen, widersetzt sich Susanna dieser Strafe „plötzlich stark“ mit einem energischen „Nein“. Immer drängender fordern die empörten Nonnen Susanna auf zu beichten. Doch „aufgerichtet, in unberührter Hoheit“ verharrt Susanna vor den sie verdammenden Schwestern.
KOMMENTAR
Sancta Susanna wurde von den Zeitgenossen als stärkster der drei Einakter bewertet. Der Verschmelzung von religiöser Hingabe mit sexuellem Verlangen auf der einen Seite steht die Unvermittelbarkeit unbedingten religiösen Gehorsams und innerer Seelenregungen gegenüber. Zahlreiche Naturerscheinungen weisen auf symbolistische und naturalistische literarische Traditionen hin, wie sie im Werk Maurice Maeterlincks oder August Strindbergs erscheinen.
Die geschlossene musikalische Anlage und der überwiegend rezitativische Stimmduktus vermitteln unmittelbar die Stringenz der Handlung. In symmetrischer Anlage und monothematisch als Folge von Variationen konzipiert, zeigt die Musik Anklänge an die Tonsprache Claude Debussys und entfaltet eine üppige orchestrale Pracht. Aus dem zu Beginn der Oper in der Flöte erklingenden Thema wird das musikalische Geschehen entwickelt. Dabei wird die klösterliche Welt mit starren Klängen und einförmiger Dynamik dargestellt; hingegen wird Susannas erwachende Sinnlichkeit mit ausholenden Melodielinien und einer glitzernden Klangpracht musikalisch ausgearbeitet. Fast euphorisch äußert sich Theodor W. Adorno 1922 zur Sancta Susanna: „Es ist bewundernswert, wie Hindemith hier, in dem reifsten seiner Bühnenwerke, zugleich thematisches Drängen des Orchesterstroms und weitbogige Gesangsmelodien, Schwüle der Frühlingsnacht und Wucht der Katastrophe aus dieser einen, zu sinnlichplastischer Konkretheit geronnenen Grundkraft gewinnt, die ihm unter den Händen zum Symbol des Triebhaften überhaupt geriet.“ (H.-J. W.)
Orchesterbesetzung
2 · 2 · Engl. Hr. · Es-Klar. · 2 · Bassklar. · 2 · Kfg. - 4 · 2 · 3 · 1 - P. S. (Xyl. · Trgl. · gr. Gong · hg. Beck. · Beckenpaar · Tamb. · kl. Tr. · gr. Tr. m. Beck.) (3 Spieler) - Hfe. · Cel. - Str. (stark besetzt) -
Bühnenmusik: 3 Fl. (davon 2 aus dem Orchester, alle auch Picc.) · S. (3 Gl.) · Org.
Bühnenmusik: 3 Fl. (davon 2 aus dem Orchester, alle auch Picc.) · S. (3 Gl.) · Org.
Personenbesetzung
Susanna · Sopran - Klementia · Alt - Alte Nonne · Alt - Eine Magd · Sprechrolle - Ein Knecht · Sprechrolle - Chor der Nonnen
Weitere Informationen
Titel:
Sancta Susanna
Oper in einem Akt
Text von August Stramm
Sprache:
Deutsch
Ausgabe:
Aufführungsmaterial
Verlag/Label:
Schott Music
Kompositionsjahr:
1921
Opus:
op. 21
Spieldauer:
25 ′0 ′′
Uraufführung:
26. März 1922 · Frankfurt am Main (D)
Oper
Musikalische Leitung: Ludwig Rottenberg
Inszenierung: Ernst Lert · Bühnenbild: Ludwig Sievert
(szenisch)
Oper
Musikalische Leitung: Ludwig Rottenberg
Inszenierung: Ernst Lert · Bühnenbild: Ludwig Sievert
(szenisch)
Reihe:
Technische Details
Medienart:
Leih-/Aufführungsmaterial
Bestellnummer:
LS 2274-01
Hersteller:
Medieninhalte
Audio:
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