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Osip Mandelstam

Herkunftsland: Russland
Geburtstag: 15. Januar 1891
Todestag: 27. Dezember 1938

Über Osip Mandelstam

OSSIP MANDELSTAM wurde am 15. Januar 1891 in Warschau in einer jüdischen Kaufmannsfamilie geboren. Der Vater war Lederhändler. Kindheit und Jugend verlebte Mandelstam in Pawlowsk und St. Petersburg. Dort besuchte er das fortschrittliche Tenischew-Gymnasium, wo auch Vladimir Nabokov zur Schule ging. Er gehörte im Jahr 1912 zur Dichtergruppe der Akmeisten um Nikolaj Gumiljow und Anna Achmatowa. Bekannt wurde Mandelstam durch seine Gedichtbände DER STEIN (1913/1916) und TRISTIA (1922).
In der autobiographischen Prosa DAS RAUSCHEN DER ZEIT (1925) schuf er ein atmosphärisches Porträt des vor-revolutionären Russland, seiner "kränklichen Ruhe" vor dem grossen Sturm. Es war eine Erinnerung an seine Kindheit und Jugend voller Gerüche und Geräusche. Dem Oktoberumsturz der Bolschewiken stand er kritisch gegenüber, schrieb früh gegen das "Joch von Bosheit und Gewalt", beschloss jedoch, in Sowjetrussland zu bleiben. Die Konflikte mit seiner Epoche verarbeitete er in einer Reihe berühmter Gedichte: "Meine Zeit, mein Tier", "Der Hufeisenfinder", "Der 1. Januar 1924", "Niemands Zeitgenosse". Dann folgte eine fünfjährige Schweigeperiode, während deren er ausser Kinderversen keine Gedichte schrieb.
Im Jahr 1928 können noch einmal Bücher von Mandelstam erscheinen, es sind die letzten zu seinen Lebzeiten: der Band GEDICHTE, die Essaysammlung ÜBER POESIE und eine kühn-bizarre Prosa unter dem Titel DIE ÄGYPTISCHE BRIEFMARKE. Im Jahr 1930 unternahm er eine mehrmonatige Reise in den Kaukasus, nach Georgien und Armenien, und fand dort seine Stimme als Lyriker wieder. DIE REISE NACH ARMENIEN erschien 1933 in einer Zeitschrift und entfachte einen politischen Skandal. Im selben Jahr schrieb Mandelstam ein folgenreiches Gedicht gegen Stalin, in dem der Diktator als "Seelenverderber und Bauernschlächter" entlarvt wurde. Im Mai 1934 wird er verhaftet und zunächst nach Tscherdyn (Ural), dann nach Woronesch verbannt. Dort entstanden seine letzten Gedichte: DIE WORONESCHER HEFTE, poetische Testamente von abgründiger Tragik, aber auch Botschaften an die Nachwelt voller Beharrlichkeit und Zuversicht. Am 2. Mai 1938 wurde er erneut verhaftet und zu fünf Jahren Arbeitslager in Sibirien veurteilt. "Russlands grösster Dichter des 20. Jahrhunderts" (so Joseph Brodsky) starb am 27. Dezember 1938 in einem Transitlager für Zwangsarbeiter bei Wladiwostok.
Seine Frau Nadeschda überlebte wie durch ein Wunder die Stalin-Epoche. Sie lernte Mandelstams Gedichte auswendig, um sie vor dem Zugriff von Stalins Schergen zu bewahren, und liess das Werk nach Amerika schmuggeln, wo es in den sechziger Jahren zu einer ersten Ausgabe kam. Das Archiv wird noch heute an der Princeton University (New Jersey) verwahrt. Die Memoiren Nadeschda Mandelstams - deutsch unter dem Titel DAS JAHRHUNDERT DER WÖLFE (1971) - trugen entscheidend zur weltweiten Entdeckung Mandelstams bei.
Im Ammann Verlag erschien 1985 bis 2000 die von Ralph Dutli herausgegebene deutschsprachige (für die Lyrik-Bände zweisprachige: russisch/deutsche) MANDELSTAM-GESAMTAUSGABE in zehn Bänden.

Die Einzelbände:
- DER STEIN. Frühe Gedichte 1908-1915
- TRISTIA. Gedichte 1916-1925
- MITTERNACHT IN MOSKAU. Die Moskauer Hefte. Gedichte 1930-1934
- DIE WORONESCHER HEFTE. Letzte Gedichte 1935-1937
- DIE BEIDEN TRAMS. Kinder- und Scherzgedichte, Epigramme auf Zeitgenossen 1911-1937
- DAS RAUSCHEN DER ZEIT. Gesammelte "autobiographische" Prosa der zwanziger Jahre
- ARMENIEN, ARMENIEN! Prosa, Notizbuch, Gedichte 1930-1933
- ÜBER DEN GESPRÄCHSPARTNER. Gesammelte Essays I: 1913-1924
- GESPRÄCH ÜBER DANTE. Gesammelte Essays II: 1925-1935
- DU BIST MEIN MOSKAU UND MEIN ROM UND MEIN KLEINER DAVID. Gesammelte Briefe 1907-1938

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