Mörder, Hoffnung der Frauen
Oper in einem Akt
Text von Oskar Kokoschka
Ausgabe: Aufführungsmaterial
Reihe:
Mörder, Hoffnung der Frauen
Produktdetails
Beschreibung
INHALT
In einer unbestimmten Vorzeit findet ein archetypischer Geschlechterkampf statt. Eine Schar Krieger trachtet den Angriff ihres Anführers gegen die Festung der Frauen aufzuhalten. Während der konfusen Auseinandersetzungen erscheint in strahlender Pracht die Frau mit ihren Begleiterinnen. Gespannt belauern sich die beiden Gruppen der Männer und Frauen. Immer wieder reizen sie sich gegenseitig mit Worten und Anspielungen, bis der Anführer die Frau mit seinem Zeichen brandmarken lässt, sie ihn daraufhin mit einem Messer verletzt. Die Krieger wenden sich von ihrem An - führer ab und ergehen sich mit den Frauen in Liebesspielen. Schwer verletzt wird der Held in einen Turm gesperrt. Erfüllt von wilder Begierde umschleicht die Frau den Käfig des Anführers und verlangt Einlass, um den Gefangenen zu berühren. In der Morgendämmerung erwacht der gefangene Krieger und phantasiert, am Gitter lehnend, in visionärer Schau. In Begegnung mit der Frau gewinnt der Mann nun Erkenntnis und erlangt Herrschaft über die Frau, deren Kräfte hingegen schwinden. Sie öffnet das Turmgitter, der gefangene Anführer tritt heraus. Es bedarf nur einer leichten Berührung des Mannes, um die Frau zu töten. Niedersinkend reißt sie eine Fackel nieder, die alles in Funkenregen hüllt. In Verzweiflung eilen Männer und Frauen dem Mann entgegen und werden von ihm „wie Mücken“ erschlagen. Der Mann entflieht durch eine Feuergasse; von Ferne ertönt ein Hahnenschrei.
KOMMENTAR
Mörder, Hoffnung der Frauen ist der früheste der drei Operneinakter und dokumentiert Hindemiths Affinität zu einer zweiten Welle des literarischen Expressionismus nach dem Ersten Weltkrieg. Gerade Kokoschkas Drama „Mörder, Hoffnung der Frauen“, 1907 entstanden und in den darauf folgenden Jahren mehrmals revidiert, galt als Prototyp expressionistischer Bühnenkunst. So wenig wir über die Kompositionsgeschichte des Operneinakters wissen, so umfangreich dokumentiert sind die Stuttgarter Uraufführung und die Edition des Werks im Schott-Verlag.
Der expressionistische Text Kokoschkas folgt zwar dem typischen Aufbau des klassischen Dramas, indem Einheit der Zeit, des Ortes und der Handlung gegeben sind. Allerdings werden die Szenen ohne kausale Handlungsverknüpfung in gebärdenreicher Aktion mit Licht- und Farbeffekten auf der Bühne illusioniert. Nietzsches Diktum von der Liebe, sie sei „in ihren Mitteln der Krieg, in ihrem Grunde der Todhass der Geschlechter“, findet hier Ausdruck.
Der unversöhnlichen Polarisierung der Geschlechter entsprechend, wählte Hindemith die Form des Sonatensatzes und reflektiert auf diese Weise den abstrakten Gehalt des Dramas. Kokoschka verzichtet in seinem Stück auf die Mitteilungsfunktion von Sprache und verselbständigt das Geschehen auf der Bühne mittels Gesten und schematisierten Gestaltungsabläufen, denen musikalische Qualitäten innewohnen. Hier setzt Hindemith an, indem er das Abstrakte der Bühnenhandlung mittels musikalisch-autonomer Formen adäquat zu stilisieren trachtet. Der Tonfall und Ausdruckscharakter einzelner Themen greifen auf musikalische Traditionen zurück, die Hindemith als Konzertmeister der Frankfurter Oper in den Opern von Richard Strauss oder Franz Schreker „hautnah“ erleben konnte. (H.-J. W.)
In einer unbestimmten Vorzeit findet ein archetypischer Geschlechterkampf statt. Eine Schar Krieger trachtet den Angriff ihres Anführers gegen die Festung der Frauen aufzuhalten. Während der konfusen Auseinandersetzungen erscheint in strahlender Pracht die Frau mit ihren Begleiterinnen. Gespannt belauern sich die beiden Gruppen der Männer und Frauen. Immer wieder reizen sie sich gegenseitig mit Worten und Anspielungen, bis der Anführer die Frau mit seinem Zeichen brandmarken lässt, sie ihn daraufhin mit einem Messer verletzt. Die Krieger wenden sich von ihrem An - führer ab und ergehen sich mit den Frauen in Liebesspielen. Schwer verletzt wird der Held in einen Turm gesperrt. Erfüllt von wilder Begierde umschleicht die Frau den Käfig des Anführers und verlangt Einlass, um den Gefangenen zu berühren. In der Morgendämmerung erwacht der gefangene Krieger und phantasiert, am Gitter lehnend, in visionärer Schau. In Begegnung mit der Frau gewinnt der Mann nun Erkenntnis und erlangt Herrschaft über die Frau, deren Kräfte hingegen schwinden. Sie öffnet das Turmgitter, der gefangene Anführer tritt heraus. Es bedarf nur einer leichten Berührung des Mannes, um die Frau zu töten. Niedersinkend reißt sie eine Fackel nieder, die alles in Funkenregen hüllt. In Verzweiflung eilen Männer und Frauen dem Mann entgegen und werden von ihm „wie Mücken“ erschlagen. Der Mann entflieht durch eine Feuergasse; von Ferne ertönt ein Hahnenschrei.
KOMMENTAR
Mörder, Hoffnung der Frauen ist der früheste der drei Operneinakter und dokumentiert Hindemiths Affinität zu einer zweiten Welle des literarischen Expressionismus nach dem Ersten Weltkrieg. Gerade Kokoschkas Drama „Mörder, Hoffnung der Frauen“, 1907 entstanden und in den darauf folgenden Jahren mehrmals revidiert, galt als Prototyp expressionistischer Bühnenkunst. So wenig wir über die Kompositionsgeschichte des Operneinakters wissen, so umfangreich dokumentiert sind die Stuttgarter Uraufführung und die Edition des Werks im Schott-Verlag.
Der expressionistische Text Kokoschkas folgt zwar dem typischen Aufbau des klassischen Dramas, indem Einheit der Zeit, des Ortes und der Handlung gegeben sind. Allerdings werden die Szenen ohne kausale Handlungsverknüpfung in gebärdenreicher Aktion mit Licht- und Farbeffekten auf der Bühne illusioniert. Nietzsches Diktum von der Liebe, sie sei „in ihren Mitteln der Krieg, in ihrem Grunde der Todhass der Geschlechter“, findet hier Ausdruck.
Der unversöhnlichen Polarisierung der Geschlechter entsprechend, wählte Hindemith die Form des Sonatensatzes und reflektiert auf diese Weise den abstrakten Gehalt des Dramas. Kokoschka verzichtet in seinem Stück auf die Mitteilungsfunktion von Sprache und verselbständigt das Geschehen auf der Bühne mittels Gesten und schematisierten Gestaltungsabläufen, denen musikalische Qualitäten innewohnen. Hier setzt Hindemith an, indem er das Abstrakte der Bühnenhandlung mittels musikalisch-autonomer Formen adäquat zu stilisieren trachtet. Der Tonfall und Ausdruckscharakter einzelner Themen greifen auf musikalische Traditionen zurück, die Hindemith als Konzertmeister der Frankfurter Oper in den Opern von Richard Strauss oder Franz Schreker „hautnah“ erleben konnte. (H.-J. W.)
Orchesterbesetzung
3 (3. auch Picc.) · 2 · Engl. Hr. · 2 · Bassklar. · 2 · Kfg. - 6 (5. u. 6. auch Bühnenmusik) · 4 · 3 (1. u. 2. auch Bühnenmusik) · 1 - P. S. (Trgl. · hg. Beck. · Beckenpaar · Tamt. · Rührtr. · kl. Tr. · gr. Tr.) (3 Spieler) - 2 Hfn. - Str. (stark besetzt)
Personenbesetzung
Der Mann · Bariton - Die Frau · Sopran - Erster Krieger · Tenor - Zweiter Krieger · Bass - Dritter Krieger · Tenor - Erstes Mädchen · Sopran - Zweites Mädchen · Alt - Drittes Mädchen · Sopran - Krieger, Mädchen · Chor
Weitere Informationen
Titel:
Mörder, Hoffnung der Frauen
Oper in einem Akt
Text von Oskar Kokoschka
Sprache:
Deutsch
Ausgabe:
Aufführungsmaterial
Verlag/Label:
Schott Music
Kompositionsjahr:
1919
Opus:
op. 12
Spieldauer:
24 ′0 ′′
Uraufführung:
4. Juni 1921 · Stuttgart (D)
Württembergisches Landestheater
Musikalische Leitung: Fritz Busch
Inszenierung: Otto Erhardt · Kostüme: Oskar Schlemmer · Bühnenbild: Oskar Schlemmer · Choreographie: Oskar Schlemmer
(szenisch)
Württembergisches Landestheater
Musikalische Leitung: Fritz Busch
Inszenierung: Otto Erhardt · Kostüme: Oskar Schlemmer · Bühnenbild: Oskar Schlemmer · Choreographie: Oskar Schlemmer
(szenisch)
Reihe:
Technische Details
Medienart:
Leih-/Aufführungsmaterial
Bestellnummer:
LS 2267-01
Hersteller:
Mehr aus dieser Reihe
Mörder, Hoffnung der Frauen
Aufführungen
Mörder, Hoffnung der Frauen
Musikalische Leitung: Hermann Bäumer
Orchester: RIAS Jugendorchester
2. März 2001 |
Berlin (Deutschland) , Hebbel-Theater
Mörder, Hoffnung der Frauen
Musikalische Leitung: Kazushi Ono
Orchester: Tokyo Philharmonic Orchestra
31. Oktober 1995 |
Tokyo (Japan) — nationale Erstaufführung
Mörder, Hoffnung der Frauen
Musikalische Leitung: Sören Nielzen
17. Juli 1995 |
Stockholm (Schweden) , Ystadsoper — nationale Erstaufführung
Mörder, Hoffnung der Frauen
Musikalische Leitung: Andrew Davis
Orchester: BBC Symphony Orchestra
15. Januar 1995 |
London (Vereinigtes Königreich Großbritannien und Nordirland) , Barbican Hall — nationale Erstaufführung
Mörder, Hoffnung der Frauen
Musikalische Leitung: Reinhard Petersen
15. Januar 1993 |
Trier (Deutschland) , Theater — Premiere
Mörder, Hoffnung der Frauen
Musikalische Leitung: Jan Michael Horstmann
6. Oktober 1991 |
Hamburg (Deutschland) , Hochschule für Musik und Theater
Mörder, Hoffnung der Frauen
Musikalische Leitung: Gerd Albrecht
Orchester: Frankfurter Opern- und Museumsorchester
18. Dezember 1988 |
Frankfurt/Main (Deutschland)
Mörder, Hoffnung der Frauen
Internationales Jugendfestspieltreffen Bayreuth
Musikalische Leitung: Michael Hofstetter
22. August 1987 |
Mörder, Hoffnung der Frauen
Musikalische Leitung: Gerd Albrecht
Orchester: Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin
22. Januar 1986 |
Mörder, Hoffnung der Frauen
Musikalische Leitung: Reinbert de Leeuw
9. Juni 1983 |
Amsterdam (Niederlande) , Theater Carré — nationale Erstaufführung
Mörder, Hoffnung der Frauen
Musikalische Leitung: Gennadi Roshdestwensky
Orchester: Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin
6. Januar 1980 |
Mörder, Hoffnung der Frauen
Musikalische Leitung: Hans Drewanz
11. November 1969 |
Darmstadt (Deutschland) , Landestheater — Premiere
Mörder, Hoffnung der Frauen
Musikalische Leitung: Ferdinand Drost
5. Dezember 1923 |
Essen (Deutschland) , Städtische Bühnen — Premiere
Mörder, Hoffnung der Frauen
Musikalische Leitung: Mannstaedt
1. November 1923 |
Lübeck (Deutschland) , Stadttheater — Premiere
Mörder, Hoffnung der Frauen
Musikalische Leitung: Alexander von Zemlinsky
3. März 1923 |
Praha (Tschechische Republik) , Neues Deutsches Theater — nationale Erstaufführung
Mörder, Hoffnung der Frauen
Musikalische Leitung: Fritz Busch
12. Dezember 1922 |
Dresden (Deutschland) , Staatsoper — Premiere
Mörder, Hoffnung der Frauen
Musikalische Leitung: Ludwig Rottenberg
26. März 1922 |
Frankfurt am Main (Deutschland) , Oper — Premiere
Mörder, Hoffnung der Frauen
Musikalische Leitung: Fritz Busch
4. Juni 1921 |
Stuttgart (Deutschland) , Württembergisches Landestheater — Uraufführung
Rezensionen
Nur registrierte Benutzer:innen können Bewertungen schreiben. Bitte loggen Sie sich ein oder erstellen Sie ein Konto.