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Hans Winterbergs 2. Streichquartett von 1942 gehört zu den wenigen Werken, die er, unter unvorstellbaren Lebensbedingungen, während der Zeit des Nazi-Terrors in der Tschechoslowakei komponieren konnte. In diesem Jahr wurde seine Mutter in einem NS-Vernichtungslager in der Ukraine ermordet, Winterberg selbst von seiner Frau und Tochter getrennt und in ein „Judenhaus“ umgesiedelt. Dass er Zwangsarbeit leisten musste und nicht, wie fast alle übrigen Repräsentanten der jüdischen Kulturelite des Landes, nach Theresienstadt deportiert wurde, rettete ihm das Leben. Winterberg emigrierte 1947 nach München und konnte relativ schnell im dortigen Musikleben Fuß fassen. Durch enge Kontakte zu den Münchner Philharmonikern fand das 2. Streichquartett ins Repertoire des Koeckert-Quartetts, das es am 15. Januar 1951 in München uraufführte. Das hochexpressive, komplexe Werk ist nicht nur ein klingendes Tagebuch aus einer Zeit des Schreckens und der Ungewissheit – es ist vor allem ein zutiefst bewegendes Dokument künstlerischen Schaffens als Ausdruck geistigen Widerstands gegen die Entmenschlichung.
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Turning Points - Episode 2: Hans Winterberg
Turning Points - Episode 2: Hans Winterberg
Turning Points - Episode 2: Hans Winterberg
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Hans Winterberg, 1901 als Spross einer seit Jahrhunderten in Prag ansässigen jüdischen Familie geboren, studierte bei Alexander von Zemlinsky und Alois Hába. Bis zur Annexion der Tschechoslowakischen Republik durch Nazideutschland 1939 wirkte er als Dirigent, Pianist und Komponist. Anders als seine Freunde und Kollegen Viktor Ullmann, Hans Krása und Gideon Klein überlebte er die Shoah durch eine Reihe von Wundern. 1945 siedelte er nach München über, wo er eine vielversprechende zweite Karriere begann. Als Vertreter einer gemäßigten Avantgarde sah er sich seit den späten 1960er Jahren mehr und mehr ins Abseits gedrängt. Nach seinem Tod 1991 geriet sein künstlerischer Nachlass in einem deutschen Musikarchiv unter Verschluss und, da zu seinen Lebzeiten kein Werk veröffentlicht worden war, in Vergessenheit. Boosey & Hawkes bringt seit 2023 Winterbergs Kammermusik in einem außergewöhnlichen Editionsprojekt als Erstausgaben heraus in Kooperation mit dem Exilarte Forschungszentrum der Universität für Musik und darstellende Kunst Wien. Sie offenbaren Musik von einzigartigem Reiz, in der Einflüsse Janáčeks, der Zweiten Wiener Schule und des französischen Impressionismus zu einem originellen und aufregenden Personalstil amalgamiert sind.
Im Anschluss an die Kammermusik wird sich das Editionsprojekt den Erstausgaben von Winterbergs Klavierwerken und Liedern widmen.