Lieferzeit
2-3 Tage
Das Nusch-Nuschi
Ein Spiel für burmanische Marionetten in einem Akt
Text von Franz Blei
Ausgabe: Aufführungsmaterial
Reihe:
Das Nusch-Nuschi
Produktdetails
Beschreibung
INHALT
Im Reich des Kaisers Mung Tha Bya macht sich der Diener Tum Tum auf, um für seinen Herrn Zatwai eine Dame aus dem Harem des Kaisers zu holen, die durch eindeutige Zeichen Herrn Zatwai gegenüber Interesse bekundet hatte. Unterwegs begegnen ihm zwei Bajaderen, die ebenfalls von Zatwai eingeladen worden sind, und ein Bettler, der in Manier eines Hofnarren zynisch mahnt, der menschlichen Vergänglichkeit zu gedenken. Tum Tum erfährt, dass nicht nur eine Haremsdame bereit ist, sich auf ein Techtelmechtel mit seinem Herrn einzulassen, sondern gleich vier. Der auf einem Nusch-Nuschi („halb große Ratte, halb Kaiman“) reitende Gott des Verlangens Kamadewa prophezeit Tum Tum Gutes und entschwindet.
Der betrunkene und prahlende Feldgeneral Kyce Waing stolpert auf dem beschwerlichen Heimweg über das Nusch-Nuschi. Dienstbeflissen eilt Tum Tum dem Verängstigten zu Hilfe, trifft aber mit seinen Schlägen lediglich den General, unter dessen Gewicht das Nusch-Nuschi erdrückt wird. Kyce Waing aber glaubt, Tum Tum habe ihm mit großem Heldenmut das Leben gerettet. Zum Dank nimmt er ihn in seine Dienste auf. Der schöne Zatwai empfängt in seinem Gemach eine Haremsdame nach der anderen, während Bajaderen Liebeslieder anstimmen und die wartenden Damen sich in erotischen Phantasien ergehen. Vor dem Gericht des Kaisers muss sich Tum Tum gegen die Anklage der Entführung der Frauen des Kaisers verteidigen. Darauf hinweisend, er habe lediglich im Auftrage seines Herrn gehandelt, wird er von aller Schuld freigesprochen. Sein jetziger Dienstherr, Feldgeneral Kyce Waing, wird als vermeintlicher Auftraggeber dieses Raubes zur Kastration verurteilt. Doch der dienstbeflissene Henker kann nur feststellen, dass der General bereits entmannt sei. Der erheiterte Hofstaat löst sich auf, Liebeslieder und Lobgesänge auf Jugend und Schönheit erklingen. Der alte Bettler schreitet, eine Holzglocke schwingend, schweigend vorüber.
KOMMENTAR
Am 14. August 1920 beendete Hindemith Das Nusch-Nuschi. Mit seinem heiter-frivolen Klamauk bildet das „Spiel für burmanische Marionetten“ das burleske Gegenstück zu den beiden anderen Einaktern Mörder, Hoffnung der Frauen und Sancta Susanna. Die Zusammenstellung der drei Einakter ähnelt denen der Pariser Grand-Guignol-Spektakel, die Stücke verschiedener Stilrichtungen kombinierten. Das Nusch-Nuschi steht in der Verwendung stereotyper Figuren und zahlreicher Lazzi (Slapstick- Einlagen) in der Tradition der Commedia dell‘arte und persifliert als Marionettenstück europäische Theater- und Opernformen. Jegliches romantisches Pathos liegt dem Stück fern. Derb-obszöne Situationskomik und exotisches Ambiente sind weitere Zutaten des Stückes. Die Szenen reihen sich aneinander, ohne den Anspruch dramatischer Entwicklung zu erheben. Traditionelle musikalische Formen werden von Hindemith aufgegriffen und mit kaleidoskopartiger Virtuosität aneinandergefügt, oft mit parodistischen Intentionen. Von den sich puritanisch gerierenden Zeitgenossen Hindemiths als Sakrileg verurteilt wurde das König Marke-Zitat aus dem 2. Akt von Tristan und Isolde („Mir dies!“), einem Meilenstein der musikalischen Moderne. Autoreferentielle Merkmale eignen den Erläuterungen Hindemiths zum dritten Tanzstück: „Folgende ‚Choralfuge‘ (mit allem Komfort: Vergrößerungen, Verkleinerungen, Engführungen, Basso ostinato) verdankt ihr Dasein lediglich einem unglücklichen Zufall: Sie fiel dem Komponisten ein. Sie bezweckt weiter nichts als dies: sich stilvoll in den Rahmen dieses Bildes zu fügen und allen ‚Sachverständigen‘ Gelegenheit zu geben, über die ungeheure Geschmacklosigkeit ihres Schöpfers zu bellen. Hallelujah! – Das Stück muss in der Hauptsache von zwei Eunuchen mit ganz ungeheuer dicken nackten Bäuchen getanzt (gewackelt) werden.“ (H.-J. W.)
Im Reich des Kaisers Mung Tha Bya macht sich der Diener Tum Tum auf, um für seinen Herrn Zatwai eine Dame aus dem Harem des Kaisers zu holen, die durch eindeutige Zeichen Herrn Zatwai gegenüber Interesse bekundet hatte. Unterwegs begegnen ihm zwei Bajaderen, die ebenfalls von Zatwai eingeladen worden sind, und ein Bettler, der in Manier eines Hofnarren zynisch mahnt, der menschlichen Vergänglichkeit zu gedenken. Tum Tum erfährt, dass nicht nur eine Haremsdame bereit ist, sich auf ein Techtelmechtel mit seinem Herrn einzulassen, sondern gleich vier. Der auf einem Nusch-Nuschi („halb große Ratte, halb Kaiman“) reitende Gott des Verlangens Kamadewa prophezeit Tum Tum Gutes und entschwindet.
Der betrunkene und prahlende Feldgeneral Kyce Waing stolpert auf dem beschwerlichen Heimweg über das Nusch-Nuschi. Dienstbeflissen eilt Tum Tum dem Verängstigten zu Hilfe, trifft aber mit seinen Schlägen lediglich den General, unter dessen Gewicht das Nusch-Nuschi erdrückt wird. Kyce Waing aber glaubt, Tum Tum habe ihm mit großem Heldenmut das Leben gerettet. Zum Dank nimmt er ihn in seine Dienste auf. Der schöne Zatwai empfängt in seinem Gemach eine Haremsdame nach der anderen, während Bajaderen Liebeslieder anstimmen und die wartenden Damen sich in erotischen Phantasien ergehen. Vor dem Gericht des Kaisers muss sich Tum Tum gegen die Anklage der Entführung der Frauen des Kaisers verteidigen. Darauf hinweisend, er habe lediglich im Auftrage seines Herrn gehandelt, wird er von aller Schuld freigesprochen. Sein jetziger Dienstherr, Feldgeneral Kyce Waing, wird als vermeintlicher Auftraggeber dieses Raubes zur Kastration verurteilt. Doch der dienstbeflissene Henker kann nur feststellen, dass der General bereits entmannt sei. Der erheiterte Hofstaat löst sich auf, Liebeslieder und Lobgesänge auf Jugend und Schönheit erklingen. Der alte Bettler schreitet, eine Holzglocke schwingend, schweigend vorüber.
KOMMENTAR
Am 14. August 1920 beendete Hindemith Das Nusch-Nuschi. Mit seinem heiter-frivolen Klamauk bildet das „Spiel für burmanische Marionetten“ das burleske Gegenstück zu den beiden anderen Einaktern Mörder, Hoffnung der Frauen und Sancta Susanna. Die Zusammenstellung der drei Einakter ähnelt denen der Pariser Grand-Guignol-Spektakel, die Stücke verschiedener Stilrichtungen kombinierten. Das Nusch-Nuschi steht in der Verwendung stereotyper Figuren und zahlreicher Lazzi (Slapstick- Einlagen) in der Tradition der Commedia dell‘arte und persifliert als Marionettenstück europäische Theater- und Opernformen. Jegliches romantisches Pathos liegt dem Stück fern. Derb-obszöne Situationskomik und exotisches Ambiente sind weitere Zutaten des Stückes. Die Szenen reihen sich aneinander, ohne den Anspruch dramatischer Entwicklung zu erheben. Traditionelle musikalische Formen werden von Hindemith aufgegriffen und mit kaleidoskopartiger Virtuosität aneinandergefügt, oft mit parodistischen Intentionen. Von den sich puritanisch gerierenden Zeitgenossen Hindemiths als Sakrileg verurteilt wurde das König Marke-Zitat aus dem 2. Akt von Tristan und Isolde („Mir dies!“), einem Meilenstein der musikalischen Moderne. Autoreferentielle Merkmale eignen den Erläuterungen Hindemiths zum dritten Tanzstück: „Folgende ‚Choralfuge‘ (mit allem Komfort: Vergrößerungen, Verkleinerungen, Engführungen, Basso ostinato) verdankt ihr Dasein lediglich einem unglücklichen Zufall: Sie fiel dem Komponisten ein. Sie bezweckt weiter nichts als dies: sich stilvoll in den Rahmen dieses Bildes zu fügen und allen ‚Sachverständigen‘ Gelegenheit zu geben, über die ungeheure Geschmacklosigkeit ihres Schöpfers zu bellen. Hallelujah! – Das Stück muss in der Hauptsache von zwei Eunuchen mit ganz ungeheuer dicken nackten Bäuchen getanzt (gewackelt) werden.“ (H.-J. W.)
Orchesterbesetzung
2 (beide auch Picc.) · 2 · Engl. Hr. · Es-Klar. · 2 · Bassklar. · 2 · Kfg. - 2 · 2 · 3 · 1 - P. S. (Xyl. · Trgl. · 5 Gl. · Kuhgl. · gr. Gong · hg. Beck. · 2 Tamb. [kl., gr.] · Rührtr. · kl. Tr. · gr. Tr. m. Beck. · Rute · Ratsche · Klaviatur-Glsp.) (4 Spieler) - Mand. · Hfe. · Cel. - Str.
Personenbesetzung
Mung Tha Bya, Kaiser von Burma · Bass - Ragweng, der Kronprinz · Sprechrolle - Feldgeneral Kyce Waing · Bass - Der Zeremonienmeister · Bass - Der Henker · Bass - Ein Bettler · Bass - Susulü, der Eunuch des Kaisers · Tenor (Falsett) - Der schöne Zatwai · stumme Rolle - Sein Diener Tum Tum · Tenor (Buffo) - Kamadewa · Tenor od. Sopran - Erster Herold · Bass - Zweiter Herold · Tenor - Die vier Frauen des Kaisers: Bangsa · Sopran; Osasa · Sopran (Koloratur); Twaïse · Alt; Ratasata · Sopran - Erste Bajadere · Sopran - Zweite Bajadere · Alt - Zwei dressierte Affen · Tenöre - Das Nusch-Nuschi - Erster Dichter · Tenor - Zweiter Dichter · Bass - Erstes Mädchen · Sopran - Zweites Mädchen · Alt - Drittes Mädchen · Sopran
Weitere Informationen
Titel:
Das Nusch-Nuschi
Ein Spiel für burmanische Marionetten in einem Akt
Text von Franz Blei
Sprache:
Deutsch
Ausgabe:
Aufführungsmaterial
Verlag/Label:
Schott Music
Kompositionsjahr:
1920
Opus:
op. 20
Spieldauer:
60 ′0 ′′
Uraufführung:
4. Juni 1921 · Stuttgart (D)
Württembergisches Landestheater
Musikalische Leitung: Fritz Busch
Inszenierung: Otto Erhardt · Kostüme: Oskar Schlemmer · Bühnenbild: Oskar Schlemmer · Choreographie: Oskar Schlemmer
(szenisch)
Württembergisches Landestheater
Musikalische Leitung: Fritz Busch
Inszenierung: Otto Erhardt · Kostüme: Oskar Schlemmer · Bühnenbild: Oskar Schlemmer · Choreographie: Oskar Schlemmer
(szenisch)
Reihe:
Technische Details
Medienart:
Leih-/Aufführungsmaterial
Bestellnummer:
LS 2228-01
Hersteller:
Mehr aus dieser Reihe
Das Nusch-Nuschi
Aufführungen
Das Nusch-Nuschi
Musikalische Leitung: M. Christou
Orchester: Orchestre Philharmonique de Radio France
26. Februar 1993 |
(Frankreich) — nationale Erstaufführung
Das Nusch-Nuschi
Musikalische Leitung: Reinhard Petersen
15. Januar 1993 |
Trier (Deutschland) , Theater — Premiere
Das Nusch-Nuschi
Musikalische Leitung: Christoph Wyneken
28. April 1990 |
Pforzheim (Deutschland) , Marionettenbühne Mottenkäfig
Das Nusch-Nuschi
Musikalische Leitung: Gerd Albrecht
Orchester: Frankfurter Opern- und Museumsorchester
18. Dezember 1988 |
Frankfurt/Main (Deutschland)
Das Nusch-Nuschi
Internationales Jugendfestspieltreffen Bayreuth
Musikalische Leitung: Michael Hofstetten
22. August 1987 |
Bayreuth (Deutschland)
Das Nusch-Nuschi
Musikalische Leitung: Gerd Albrecht
Orchester: Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin
21. März 1987 |
Berlin (Deutschland) , Großer Sendesaal
Das Nusch-Nuschi
Musikalische Leitung: Gennadi Rozhdestwensky
Orchester: Münchner Philharmoniker
24. Oktober 1979 |
München (Deutschland) , Residenz, Herkulessaal
Das Nusch-Nuschi
Musikalische Leitung: Hans Drewanz
11. November 1969 |
Darmstadt (Deutschland) , Landestheater — Premiere
Das Nusch-Nuschi
März 1933 |
Antwerpen (Belgien) , L’Opéra Royal Flamand — nationale Erstaufführung
Das Nusch-Nuschi
Musikalische Leitung: Ferdinand Drost
5. Dezember 1923 |
Essen (Deutschland) , Städtische Bühnen — Premiere
Das Nusch-Nuschi
Musikalische Leitung: Alexander von Zemlinsky
3. März 1923 |
Praha (Tschechische Republik) , Neues Deutsches Theater — nationale Erstaufführung
Das Nusch-Nuschi
Musikalische Leitung: Ludwig Rottenberg
26. März 1922 |
Frankfurt am Main (Deutschland) , Oper — Premiere
Das Nusch-Nuschi
Musikalische Leitung: Fritz Busch
4. Juni 1921 |
Stuttgart (Deutschland) , Württembergisches Landestheater — Uraufführung
Rezensionen
Nur registrierte Benutzer:innen können Bewertungen schreiben. Bitte loggen Sie sich ein oder erstellen Sie ein Konto.