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Comoedia de Christi Resurrectione

Ein Osterspiel
Libretto vom Komponisten
In seinem Osterspiel greift Carl Orff Elemente süddeutscher österlicher Mysterienspiele auf, in denen das übersinnliche Geschehen auf einfache, von den Zuhörern und Mitwirkenden leicht nachvollziehbare Weise dargestellt wird. Die biblische Erzählung von der Auferstehung wird dabei nicht realistisch dargestellt, sondern symbolisch durch die Schilderung des Erwachens der Natur im Frühling versinnbildlicht. Das Osterspiel kann gemeinsam mit dem wenig später entstandenen Weihnachtsspiel Ludus de nato Infante mirificus als abendfüllendes Werk aufgeführt werden.
Ausgabe: Aufführungsmaterial
Produktart
Leih-/Aufführungsmaterial

Produktdetails

Beschreibung

INHALT


Am Grabe Christi beklagen Frauen den Toten. Eine geheimnisvolle irdische Stimme spricht ihnen Hoffnung zu, ein Engelschor gemahnt an die Grabesruhe.
Sechs Soldaten halten nächtens bei der Begräbnisstätte Wacht, ausgehorcht vom Teufel, der auf der Grabplatte lauert. Die Männer schwatzen übers Wetter, schwadronieren über Gott und die Welt und schieben nicht zuletzt Gedanken über den Verstorbenen: Die hiesige Ordnung hat er ganz schön durcheinandergewirbelt! Ging da nicht sogar die Rede, er würde nach drei Tagen von den Toten auferstehen? Und überhaupt: Wer ist eigentlich dieser spendable Geschwänzte, der auf dem Grab hockt und anscheinend schläft? Ein Trauernder? Und warum werden sie auf einmal so müde?
Kaum, dass die Wachposten eingenickt sind, versiegelt der Teufel mithilfe eines Zaubersteins das Grab: Christus darf unter keinen Umständen durch seine Auferstehung den Tod besiegen! Rasch zieht sich der Gottseibeiuns zurück, als die sechsköpfige Wachablösung antritt. Sie beäugt den Bocksbeinigen ebenfalls recht misstrauisch, kuscht aber, als er auch ihr Geld zuschanzt. Das Gespräch der zwölf Soldaten kommt natürlich sofort auf den Toten. Ein Wundertäter sei er gewesen! Wohl eher ein Aufrührer! Egal - die alte Wache zieht ab, nicht ohne die neue augenzwinkernd anzuweisen, den Toten ja nicht entwischen zu lassen.
Die neue Wache landet rasch bei ihrer Lieblingsbeschäftigung: dem Kartenspiel. Und da freilich juckts den Sparifankerl in den Fingern! Flugs mischt er mit, verlässt dafür sogar die heikle Grabplatte; aber die sechse hauen ihn übers Ohr. Soweit nehmen sie ihn aus, dass er zuletzt sogar um seinen blinkenden Zauberstein spielen muss. Den lässt er sich aber nicht abluchsen: Diese Spielrunde gewinnt er, und in einem begeisterten Aufschrei plärrt er sein „Gewunnen!!“
Aber Pech gehabt! Vor lauter Spielfieber hat er seine Grabwacht so außer Acht gelassen, dass ihn die von Engeln bejubelte Auferstehung Christi überrumpelt. Dermaßen wütend ist der Teufel darüber, dass er sich sogar den Schwanz abhackt.


KOMMENTAR


Nach dem Erfolg der Weihnachtsgeschichte wurde an Orff der Wunsch nach einem Osterspiel herangetragen. Zwar vom Fernsehen in Auftrag gegeben, entwarf der Komponist das Werk gleichwohl für eine Theaterrealisierung. Mithin verwundert es nicht, dass diese Comoedia bereits ein Jahr nach der Fernsehpremiere auf die Bühne kam. Hatte aber der Film die Reduktion zum stilbildenden Prinzip erhoben, arbeitete die Bühneninszenierung ebenso erfolgreich mit den Mitteln sinnlicher Opulenz: Das Szenenbild stellte ein bayrisch-barockes Heiliges Grab dar, in seiner Gestaltung Orffs Welttheatergedanken aufgreifend.
Im Sinne eines Welttheaters vereint das Werk auch verschiedene Sprachen, von Orff unterschiedlichen Figurengruppen zugeordnet: den Wachtsoldaten Bayrisch, dem Teufel Bayrisch und Latein, den Engelschören Latein sowie den Klageweibern Latein und Griechisch.
Zusätzlich zum Element des Grablegungs- und Auferstehungsritus‘ verarbeitet Orff in seinem Werk Versatzstücke mittelalterlicher Mysterienspiele: so etwa lassen die einleitenden Silentium-Rufe eine Zeit anklingen, als noch kein Öffnen eines Vorhangs die Aufmerksamkeit auf das Bühnengeschehen lenkte. Und nicht zuletzt greift auch die Verwendung des Teufels eine mittelalterliche Tradition auf; diese differenziert Orff allerdings weitreichend: Sein Gottseibeiuns zeigt individuellere, dämonischere Züge.

Orchesterbesetzung

P. S. (2 Glsp. · Crot. · Xyl. · Bassxyl. · Marimba · Röhrengl. · Trgl. · Beck. · Tamt. · gr. Tr. · Steinspiel · Guiro · 2 Doppelratschen · Schlagkiste) (7 Spieler) - 2 Hfn. · 3 Klav. · Org. - 4 Kb.

Die beiden Stücke "Ludus de nato Infante mirificus" und "Comoedia de Christi Resurrectione" können unter der Bezeichnung "Diptychon" zusammen als abendfüllendes Werk aufgeführt werden. Die Reihenfolge "Ludus - Comoedia" ist jedoch bindend.

Personenbesetzung

Solo-Sopran - Solo-Bass - Chor - Knabenchor - Der Teufel, sechs Soldaten, sechs andere Soldaten · Schauspieler

Weitere Informationen

Titel:
Comoedia de Christi Resurrectione
Ein Osterspiel
Libretto vom Komponisten
Sprache:
Deutsch
Ausgabe:
Aufführungsmaterial
Verlag/Label:
Schott Music
Kompositionsjahr:
1955
Spieldauer:
40 ′0 ′′
Uraufführung:
31. März 1956 · München (D)
Fernsehstudio des Bayerischen Rundfunks
Musikalische Leitung: Karl List
Inszenierung: Gustav Rudolf Sellner · Bühnenbild: Franz Mertz
(szenisch) (Fernsehproduktion)

21. April 1957 · Stuttgart (D)
Württembergische Staatstheater
Musikalische Leitung: Heinz Mende
Inszenierung: Wieland Wagner · Bühnenbild: Wieland Wagner
(szenisch) (Bühnenuraufführung)
Reihe:
Schlagworte:

Technische Details

Medienart:
Leih-/Aufführungsmaterial
Bestellnummer:
LS 3092-01
Hersteller:
Schott Music GmbH & Co. KG
55116 Mainz
Deutschland

Medieninhalte

Audio:

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