La piccola Cubana
Produktdetails
Beschreibung
Die Uraufführung der Bühnenfassung des zunächst als ‚Fernsehoper‘ entstandenen großen Vaudevilles La Cubana oder Ein Leben für die Kunst am 28. Mai 1975 am Münchner Gärtnerplatztheater war ein Misserfolg für seine ansonsten erfolgsverwöhnten Urheber, den Dichter Hans Magnus Enzensberger und den Komponisten Hans Werner Henze. Enzensberger schildert dies später launig in einem Buch mit dem Titel „Meine Lieblings-Flops“. Henze resümiert in seiner Autobiographie, man hört förmlich den Seufzer: „Ich tat mich schwer bei der Erfindung der La Cubana-Musik.“ Dennoch kam der Komponist immer wieder auf dieses anspruchsvoll gedachte und vitale Stück zurück. Ihm wurde schnell klar, dass das Sujet mit seinem quirligen Bilderbogen vielleicht eher in einer schlanken Ensemblefassung Theaterwirksamkeit entfalten könnte als in der dem Realismus verhafteten Materialschlacht des Originals. Bereits 1990/91 arbeitete er gemeinsam mit Hans Magnus Enzensberger an einer Neufassung des Librettos, und 1993 nutzte er die Gelegenheit, für die Sängerin Maria Husmann eine kleine Ensemblefassung einzelner Chansons und Tänze aus La Cubana einzurichten. Die dort gefundene Besetzung eines Salonensembles schrieb Henze kurz darauf in seinem Werkverzeichnis für eine dort als La piccola Cubana betitelte projektierte Neufassung von La Cubana fest. Aus verschiedenen Gründen kam diese Neufassung zu Henzes Lebzeiten allerdings nicht mehr zustande.
In meiner Einrichtung des Stückes für Kammerensemble richte ich mich ganz nach den erwähnten Vorgaben Henzes. Sowohl die jetzige Besetzung auf der Basis des Ensembles von 1993, bei der ich lediglich eine Solovioline hinzufüge, als auch die Reduktion sämtlicher Gesangs- und Chorpartien auf vier Sänger und zwei Darsteller sind Henzes eigene Ideen. Dem Ensemble, das zwischen Salonorchester und Neue-Musik-Truppe, zwischen Oper und Varieté changiert, wird dabei eine Vielzahl von Farbnuancen und Klangschattierungen zur Charakterisierung der verschiedenen Musikstile dieses Vaudevilles abverlangt. Selbst eine szenische Mitwirkung der MusikerInnen ist durchaus im Sinne Hans Werner Henzes, dem, ganz in der Tradition des Brecht-Theaters, immer die reale Verknüpfung von Szene und Musik vor Augen schwebte. Sein Ideal war der „Musik-Darsteller“. Auch die Sänger und Sängerinnen müssen in eine Vielzahl von Rollen schlüpfen. Auf der Basis der vorliegenden Fassung ist sowohl eine solche dem „armen Theater“ verpflichtete kleine Ensembleaufführung mit vier SängerInnen und zehn MusikerInnen möglich, als auch eine ad libitum wieder leicht erweiterte Fassung, bei der Gesangs- und Chorpartien auf mehrere Akteure verteilt werden oder zum Beispiel im Orchester die Cimarrón-Szene mit vier Schlagzeugern in der Originalversion dargeboten wird. Die Einrichtung des Materials dieses Vaudevilles für eine Aufführung bleibt somit den Theaterpraktikern überlassen. Dies betrifft auch die Zwischentexte, die sowohl in ihrer längeren Originalfassung von 1973 als auch – sofern vorhanden – in den gekürzten Neufassungen des Textbuchs von 1990/91 aufgenommen wurden.
Bei der Beschäftigung mit dieser Musik wurde mir die ganze Zeit klar die dem Komponisten Hans Werner Henze so vorzüglich eigene Ironie, die hier buchstäblich in jeder Note wohnt. Es wurde mir auch immer wieder deutlich die subtile Freude des Komponisten an der Travestie und Parodie von Musikstilen der Unterhaltungsmusik, die allerdings in einen kühlen, schlanken, ich möchte sagen: abstrakten Henze-Stil überführt werden. Hier gibt es keinen Ohrwurm. Das Mitleid des Komponisten mit seinen Figuren hält sich in diesem Stück in Grenzen. Trotzdem, so ist zu hoffen, möge die dieser Musik eigene „mélange“, wie sie Henze selbst an Mozart immer so bewundert hat, ihren Geistreichtum und Witz beweisen. Jobst Liebrecht
Orchesterbesetzung
Personenbesetzung
Weitere Informationen
Staatsoper Unter den Linden, Alter Orchesterprobensaal
Victoria Randem, Rachel; Ema Nikolovska, Lucile; Andrés Moreno García, Eusebio / Paco; Benjamin Chamandy, Fernrohrvermieter / Don Alfonso / Senator; Isabel Karajan, Theaterdirektorin · Musikalische Leitung: Adrian Heger
Inszenierung: Pauline Beaulieu · Kostüme: Veronika Bleffert · Bühnenbild: Benjamin Schönecker
(szenisch)