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Werk der Woche - Sir Michael Tippett: The Rose Lake

Das letzte Orchesterwerk, das Sir Michael Tippett vor seinem Tod fertigstellen konnte, ist The Rose Lake aus den Jahren 1991 bis 1993. Am 17. April 2019 bringt es das BBC Symphony Orchestra im Barbican Center in London zur Aufführung. Die Leitung übernimmt Dirigent Sir Andrew Davis.

Inspiration für The Rose Lake bezog Tippett von dem Lac Rose im Senegal, den er auf einer Reise im Jahr 1990 besucht hatte. Der See ist bekannt für seine auffallende rosa Färbung – verantwortlich dafür sind Algen im Wasser, die ein Licht absorbierendes Pigment produzieren. Der See hinterließ einen tiefen Eindruck bei Tippett, der unmittelbar nach der Reise mit der Komposition von The Rose Lake begann.

Sir Michael Tippett: The Rose Lake – Ein Lied ohne Wort für Orchester


Tippetts Komposition weist eher Parallelen zu Debussys La Mer auf als zu Symphonischen Dichtungen. Insbesondere geht es bei beiden um den Ausdruck des eigenen Erlebens und nicht um eine Darstellung der Natur. Oliver Soden, dessen neue Tippett-Biografie in diesem Monat veröffentlicht wird, beschreibt das Werk als den Versuch des Komponisten, die Wirkung des funkelnden Zusammenspiels von Wasser, Licht und Farbe einzufangen und die Stimmung im Tagesverlauf von Sonnenauf- bis Sonnenuntergang zu kartografieren.
Mittags ist die Einstrahlung der Sonne so, dass sich das weißliche Grün des Sees in ein helles Pink verwandelt. […] Es ergab sich, dass wir den Lac Rose in der Mittagszeit erreichten, gerade pünktlich um zu sehen, wie er eine fantastische, durchscheinende hellrote Farbe annahm. Dieser Anblick löste eine tiefe Unruhe in mir aus: diese Art der Unruhe, die mir sagt, dass ein neues Orchesterwerk beginnt. - Michael Tippett

Nach der Aufführung von The Rose Lake wird Sir Andrew Davis am 25. April 2019 Tippetts Piano Concerto (1953-55) mit dem Pianisten Steven Osborne und dem BBC Philharmonic Orchestra dirigieren. Weitere Werke Tippetts, die in nächster Zeit aufgeführt werden, sind das Oratorium A Child of Our Time mit dem Philharmonia Orchestra (26. Mai 2019), Five Spirituals beim Aldeburgh Festival (17. Juni 2019) und das Concerto for Double String Orchestra (19. und 20. Juni 2019) mit dem City of Birmingham Symphony Orchestra unter der Leitung von Edward Gardner.

 

 

Foto: "Lac rose au Sénégal" von Abrahami auf Wikimedia Commons unter der Lizenz CC BY-SA 4.0, Original wurde vor Nutzung bearbeitet

Werk der Woche - Mark-Anthony Turnage: The Silver Tassie

Das BBC Symphony Orchestra führt in seiner Reihe "In Remembrance World War I" am 10. November 2018 Mark-Anthony Turnages Oper The Silver Tassie konzertant auf. Im Barbican Centre London singt Ashley Riches die Hauptrolle des Harry, weitere Solisten sind Sally Matthews, John Tomlinson, Claire Booth, Marcus Farnsworth, Louise Alder und Susan Bickley. Es digiert Ryan Wigglesworth.

The Silver Tassie spielt während des Ersten Weltkriegs in Dublin und ist eine Vertonung von Sean O'Caseys gleichnamigen Theaterstück von 1928. Die Oper wurde von der Dallas Opera und der English National Opera in Auftrag gegeben und im Jahr 2000 uraufgeführt. Der Titel, der sich auf einen Fußballpokal bezieht, stammt aus einem schottischen Songtext von Robert Burns: "Go fetch to me a pint o' wine, an' fill it in a silver tassie; that I may drink before I go, a service to my bonnie lassie".

Mark-Anthony Turnage – The Silver Tassie: Die Tragödie des Krieges


The Silver Tassie handelt von Harry Heagen, einem gutaussehenden bekannten Fussballspieler und Soldaten auf Heimaturlaub. Nachdem Harry den Pokal "The Silver Tassie" für sein Team gewonnen hat, verlässt er seine Familie und seine Freundin Jessie, um an die Front zu ziehen. Dort wird er von seinem besten Freund Barney vor dem Tod gerettet, ist aber fortan querschnittsgelähmt und auf einen Rollstuhl angewiesen. Harry findet daraufhin heraus, dass Jessie ihn für Barney verlassen hat. Der letzte Akt zeigt einen ergreifenden Abschluss, als Harry sich aufmacht, um sich seiner unsicheren Zukunft zu stellen.
Es sind nicht nur die Worte, sondern auch die Gefühle, die mit schillernder Theatralik anschaulich transportiert werden. Turnage weiß genau, wie er das Interesse des Publikums aufrechterhält, indem er das Timing für jede Szene perfekt trifft ist und eindringliche Melodien wie auch große Operngesten liefert. - Rupert Christiansen, The Telegraph

Bis zum Ende des Jahres ist außerdem Turnages erste Oper Greek vom 5. bis zum 9. Dezember 2018 in der Brooklyn Academy of Music in New York zu sehen.

 

© Foto: Keith Saunders

Werk der Woche – Andrew Norman: Spiral

Andrew Norman gehört zu den erfolgreichsten Komponisten seiner Generation und erhält regelmäßig Kompositionsaufträge der großen internationalen Orchester. Für die Abschiedssaison von Simon Rattle als Chefdirigent der Berliner Philharmoniker schrieb er sein neues Werk Spiral. Das Stück wird am 14. Juni in der Berliner Philharmonie uraufgeführt und ist Teil der Reihe „Tapas“, bei der kurze aber gehaltvolle Werke den Appetit auf zeitgenössische Musik anregen sollen.

Zuletzt komponierte Norman im vergangenen Jahr seine Kinderoper A Trip to the Moon (mit deutschem Titel Zum Mond und zurück) für das "Vokalhelden"-Projekt der Berliner Philharmoniker. Einen besonderen Erfolg feierte er 2017 mit dem Orchesterstück Play, für das er den Grawemeyer Award erhielt, zudem war er im gleichen Jahr "Composer of the Year" bei Musical America.

Andrew Norman – Spiral: ein musikalischer Sog


Spiral zeichnet die Veränderungen einer kleinen Anzahl an Instrumentalgesten nach, die sich in immer enger werdenden Kreisen umschlingen. Die Streicher spielen divisi, setzen subsequent wie Roboter hintereinander ein und bilden so eine musikalische Spirale nach.
„Die Idee zu einem „spiralförmigen“ Orchesterstück hatte ich seit einer Weile. Einige der musikalischen Ideen und Gesten waren definitiv von meinen Erfahrungen mit Simon und den Berliner Philharmonikern inspiriert (nämlich von ihrer einzigartigen physischen Energie und Präzision).“ – Andrew Norman

Weitere Aufführungen von Spiral in Berlin folgen am 15. und 16. Juni. Die britische Erstaufführung findet am 23. Juli beim Ko-Auftraggeber, den BBC Proms, mit dem BBC Symphony Orchestra unter der Leitung von Karina Canellakis statt.

Werk der Woche: Thomas Larcher – A Padmore Cycle

In der Philharmonie im Gasteig in München findet am 18. Mai die deutsche Erstaufführung von Thomas Larchers A Padmore Cycle für Tenor und Orchester statt. Das Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks spielt unter der Leitung des Dirigenten Mariss Jansons zusammen mit dem namensgebenden Tenor Mark Padmore (Foto). Zwischen 2010 und 2011 ursprünglich für Tenor und Klavier komponiert, erweiterte Larcher sein Werk 2014 zu einer Orchesterfassung, die durch Padmore und das BBC Symphony Orchestra unter Edward Gardner aufgeführt wurde.



A Padmore Cycle besteht aus elf Liedern mit kurzen, geheimnisvollen Texten von Alois Hotschnig und Hans Aschenwald. Die Dichtungen handeln von der Bergwelt und der ländlichen Umgebung aus Larchers Tiroler Heimat. Ein wesentliches Thema ist auch die sich wandelnde Beziehung zur Natur. Larcher illustriert diese Bilder mit transparenter Musik, deren Fragilität durch geschickten Einsatz des Schlagwerks unterstrichen wird.

Lachers A Padmore Cycle: Ein musikalischer Bogen zwischen heterogenen Texten


Trotz der fragmentarischen Anlage der kurzen Sätze schafft Larcher mit jedem  Lied eine nahtlose Verbindung zum jeweils nächsten. Die Gesangslinie bleibt der schlichten Struktur der Gedichte treu; es entsteht ein klarer Klang mit schnörkelloser Phrasierung und Silbengestaltung. So verleiht der Komponist dem Orchester Raum, den Text instrumental zu reflektieren, nachdem er gesungen wurde. Obwohl das musikalische Material der Orchesterversion dem der originalen Klavierfassung gleicht, sieht Larcher in dieser Fassung mehr als eine bloße Neuinstrumentierung. Für ihn ist es eine enorme Ausweitung der Klangwelt und der resultierenden Ausdrucksmöglichkeiten.
Schon bei der Komposition der Version für Tenor und Klavier dachte ich an eine Fassung für Tenor und Orchester, bei der der Klang des Klaviers (die „Reflexionen“) explodiert … als würden die Gedanken und Gefühle in einem menschlichen Gehirn auf eine sehr große Leinwand projiziert und dadurch alle Details und das Ausmaß der Empfindungen fühlbar. – Thomas Larcher

Das Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks führt A Padmore Cycle am 18. und 19. Mai in München auf und spielt ihn am 20. Mai in der Elbphilharmonie Hamburg. Eine neue Bearbeitung für Tenor und Klaviertrio wird am 20. Juni im Wiener Konzerthaus von Mark Padmore und dem Wiener Klaviertrio uraufgeführt, weitere Aufführungen dieser neuen Fassung folgen im Juni in Ludwigsburg, London und Amsterdam.

 

Foto: © Marco Borggreve (Mark Padmore)

Werk der Woche – Thomas Larcher: Symphony No. 2

Am 28. August findet die britische Erstaufführung von Thomas Lachers Symphony No. 2 ‚Kenotaph’ im Rahmen der BBC Proms in der Royal Albert Hall in London statt. Es spielt das BBC Symphony Orchestra unter der Leitung von Semyon Bychkov. Ihm widmete Larcher das Werk, das erst vor wenigen Monaten unter Bychkovs Leitung in Wien uraufgeführt wurde.



Obwohl seine früheren Kompositionen vor allem von seinen Erfahrungen als Kammermusiker geprägt sind, setzt sich Larcher zunehmend mit dem Komponieren von größeren Orchesterwerken auseinander. Er begann damit in Red and Green (2010), das Larcher als kreative Grundlage für seine erste Symphonie Alle Tage für Bariton und Orchester (2015) diente.

Thomas Larchers Symphony No. 2 – „Ein Grab für verlorene und vergessene Seelen“


Symphony No. 2 war ursprünglich als Konzert für Orchester geplant, nahm dann aber die Gestalt einer klassischen Symphonie an. Das  Klangspektrum reicht von der Intimität eines Kammerensembles bis hin zu der Vielfalt eines vollen Orchesters, in dem vor allem die Schlaginstrumente herausstechen. So behält Larcher in seinen vier Sätzen Elemente der anfänglichen Idee bei, stellt jedoch Tonalität und klassische Strukturen den heutigen musikalischen Entwicklungen experimentell gegenüber. Mit dem Untertitel der Symphonie ‚Kenotaph‘ möchte Larcher den im Krieg Getöteten gedenken oder, um es in den Worten des Komponisten auszudrücken, „Gräber für verlorene und vergessene Seelen“ in Musik setzen. In seinem Werk lässt er seine Besorgnis und Emotionen in Bezug auf die andauernde Migrantenkrise einfließen.
Tausende und Abertausende von Menschen ertranken im Mittelmeer, während ganz Europa untätig am Rand stand, diese Tragödie beobachtete oder sogar wegschaute. [Die Symphonie] ist ein Symbol für das, was inmitten Europas geschehen ist und auch gerade noch geschieht. – Thomas Larcher

In den nächsten Wochen werden auch andere Werke Larchers zu hören sein, darunter Ouroboros für Cello und Kammerorchester am 13. September mit dem Norwegischen Kammerorchester und dem Cellisten Jean-Guihen Queyras unter der Leitung von Per Kristian Skalstad. Das gleiche Stück spielt die BBC Philharmonic mit dem Dirigenten Ben Gernonin und dem Cellisten Matthew Barley am 13. Oktober in Salford. Der Tenor Mark Padmore wird am 6. Oktober in A Padmore Cycle zu hören sein, begleitet vom Bergen Philharmonic Orchestra unter der Leitung von Edward Gardner. Vom 7. bis 10. Oktober spielt das Tonkünstler-Orchester Niederösterreich Red and Green in Wien, Grafenegg und St. Pölten, dirigiert von Yutaka Sado.

Werk der Woche - Peter Eötvös: Senza sangue

In seiner Oper Senza sangue behandelt Peter Eötvös die Themen Mord, Rache, Vergebung und Sehnsucht. Eine Mischung, die viele psychologische Fragen aufwirft. Wie diese Elemente in der Oper verknüpft werden und ob Antworten gegeben werden, können die Zuschauer am 15. Mai 2016 bei der szenischen Uraufführung selbst erleben. Das Werk wird an der Opéra Grand Avignon aufgeführt und Eötvös wird bei der Inszenierung von Róbert Alföldi die musikalische Leitung übernehmen. Im vergangenen Jahr wurde Senza sangue konzertant uraufgeführt und war bereits in Köln, New York, Göteborg und Bergen zu hören.

Die Oper basiert auf der gleichnamigen Novelle des italienischen Autors Alessandro Baricco, die 2002 veröffentlicht wurde. Zur Handlung gibt es eine Vorgeschichte: Während des Spanischen Bürgerkriegs tötet ein junger Mann mit seinen Kameraden die Familie eines kleinen Mädchens. Die Blicke des Mannes und des Mädchens treffen sich und er entschließt sich, sie zu verschonen. Der Zuschauer erlebt nun, wie sich die inzwischen erwachsene Frau und der Mann erneut begegnen. Anders als erwartet ist die Frau nicht gekommen, um Rache zu nehmen, wie sie es bei seinen Kameraden getan hatte, sondern in der Hoffnung auf seelische Erlösung. Der Blick, der vor langer Zeit ihr Leben verändert hatte, solle sie nun retten.

Peter Eötvös' Weg zu seiner Oper Senza sangue


Eötvös ließ sich bei seiner Oper nicht nur von Bariccos Novelle inspirieren, sondern auch durch Béla Bartóks Herzog Blaubarts Burg. Mit der Absicht, ein Kopplungswerk für einen Doppelabend mit Bartóks Einakter zu schaffen, übernahm Eötvös dessen Instrumentierung mit Ausnahme der Orgel. Es bleibt aber nicht bei dieser Gemeinsamkeit: Auch die Personenkonstellation und die Dramaturgie in Form der allmählichen Enthüllung seelischer Abgründe orientiert sich an Herzog Blaubarts Burg.

Eötvös beschreibt seinen Kompositionsprozess so:
Senza Sangue ist meine zehnte Oper. Ich habe mich auf sie vorbereitet wie ein Filmregisseur, der seinen nächsten Film in Schwarzweiß drehen will. In meinen früheren Opern habe ich mich um farbige Klangpaletten bemüht; hier suche ich dagegen scharfe Kontraste und Schattierungen in Schwarz, Grau und Weiß. In der Orchesterpartitur habe ich den Akzent auf Klangballung statt auf Eigenständigkeit der Stimmen gelegt: Viele Instrumente spielen gleiche Melodieverläufe und erzeugen so einen kräftigen Klang, ähnlich wie in der japanischen Kalligrafie mit einem Strich eines dicken Pinsels eine einzige schwarze Linie gezogen wird. – Peter Eötvös

Die Oper Senza sangue wird in diesem Jahr szenisch noch beim Armel Opera Festival in Budapest (Regie: Robert Alföldi) und an der Hamburgischen Staatsoper (Regie: Dmitri Tcherniakov) zu sehen sein. 2017 folgt konzertant die britische Erstaufführung mit Simone Young und dem BBC Symphony Orchestra in der Londoner Barbican Hall.

Foto: Klaus Rudolph
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