Dunkle Saiten

composer: Jörg Widmann

für Violoncello, Orchester und zwei Frauenstimmen

Commissioned work: Auftragswerk des Kulturprogramms unter der künstlerischen Leitung von Peter Baumgardt im Deutschen Pavillon auf der EXPO 2000
Premiere: July 10, 2000 Hannover, EXPO, Deutscher Pavillon (D) EXPO 2000 · Jan Vogler, Violoncello; Salome Kammer, Sopran; Ursula Hesse, Alt · Conductor: Christoph Poppen · Münchener Kammerorchester
Orchestra instrumentation: 1 (auch Picc.) · 0 · 1 in B (auch Bassklar. in B) · 1 (auch Kfg.) - 4 in F · 1 · 1 · 0 - S. (Sopran-Xyl. · Xyl. · Xylorimba · Clav. · Crot. [mit Kb.-Bogen gestrichen] · 3 gr. Tr. · 3 tiefe Tamt. · 5 hg. Beck. [2 h., 2 m., 1 t., mit Kontrabass-Bogen gestrichen] · chin. Beck. · Tomt. · 5 Holzbl. · 4 Tempelbl. · mehrere Tamb. · 1 hohes Tamb. [oder sehr hohe arab. Tontrommel, mit Essstäbchen gespielt] · Peitsche · Boo-bams · Bongos · 3 Weingläser [as', b', h']) (3 Spieler) - Klav. (auch Cel.) - Str. (6 · 5 · 4 · 2 [mit Scordatur C-Saite] · 3 [5-Saiter mit Hals, mit Scordatur C-Saite])
Publisher: Schott Music
Duration: 44' 0''
Year of composition: 1999/2000
Language: vocalise
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Description

Ein Exzess-Stück, das den Rahmen eines Cellokonzertes (durch Einbeziehung von zwei Frauenstimmen) und den einer Kammerbesetzung sprengt (21 Streicher, Flöte, Klarinette, Fagott, Trompete, Posaune, 4 Hörner, Klavier, Celesta, drei Schlagzeuger). Über ein Jahr lang habe ich immer wieder daran komponiert, verworfen, weitergeschrieben. Das Stück hat sich eine eigene sperrige Form gesucht und mir die Wanderung durch extremste emotionale Bereiche abgetrotzt/ermöglicht.

Die Funktion des Solo-Cellos ist die eines Gedicht-Ichs. Ununterbrochen singt, wein, kämpft es gegen immer größere orchestrale Gewalten, bis es nach etwa einer halben Stunde erschöpft aufgibt. Sein Gesang wird aufgespalten in zwei Frauenstimmen. Diese sind deshalb quasi instrumental eingesetzt, auf einen Text wird verzichtet. Zunächst erzeugen sie die Illusion einer unendlichen Stimme, bis sie schließlich gewaltsam in entgegengesetzte Richtungen gezerrt werden und fortan gespalten agieren. Die gerufenen Geister der Dunkelheit verschwinden erst, als das Cello zurückkehrt und in lichtere Gefilde entschwebt.

An den zentralen Schnittstellen des einsätzigen Stückes lodert jeweils für Sekunden a-Moll auf: beim ersten Celloeintritt; beim quälenden Hochschrauben der "dunklen" Streichertextur als Schrei in Flöte, Klarinette und Trompete; nach dem zentralen Höllensturz stumm auf dem Klaiver gedrückt; und in den Bläsern als Initial-Akkord des Schlusschorals.

Das Werk ist dem Cellisten Jan Vogler gewidmet.

-Jörg Widmann

Recordings

Cello Concertos  (2001)

Jörg Widmann

Jan Vogler (cello) · Ursula Hesse, Salome Kammer (sopranos) · Münchener Kammerorchester · Christoph Poppen (conductor)
BERLIN CLASSICS 0017142BC
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