Dr. Popels fiese Falle
composer: Moritz Eggert
librettist: Andrea Heuser
Eine Kinderoper
Libretto von Andrea Heuser
Commissioned work: Auftragswerk der Oper Frankfurt
Premiere: June 14, 2002 Frankfurt/Main, Oper (D) · Schüler des Lessing-Gymnasiums; Deborah Einspieler, Projektleitung · Conductor: Roland Böer · Schüler des Lessing-Gymnasiums · Staging: Aurelia Eggers · Costumes: Heike Ruppmann · Stage design: Marion Menzinger (scenic performance)
Orchestra instrumentation: 5 Blfl. (Picc., S, A, T, B) · 2 (auch Picc.) · 1 · 1 · Bassklar. · 4 Sax. (S, A, T, B) · 1 - 1 · 2 · 1 · 1 - P. S. (I: Trgl. · Marimba · Flex. · Peitsche · Tempelbl. · Ratsche - II: Guiro · Chimes · Röhrengl. · Nietenbeck. · gr. Tr. · Vibr. · Bambuspendelrassel - III: gr. Beck. · Xyl. · Nietenbeck. [zusammen mit II] · Vibraslap · Tamt. · Woodbl. · 2 Cong. · Clav.) (3 Spieler) - Cemb. · Cel. · Klav. - Str. (6 · 6 · 4 · 3 · 1) -
Rockensemble: 2 E-Git. (Rhythmus- u. Leadgit.) · E-Bass · Keyboards (am besten Hammondorg. od. Heimorg.) · Drum Set -
Geräuschorchester (mindestens 4 Kinder, die keine Instrumente spielen, aber ein wenig Noten lesen können): Lotosfl. oder Nasenfl., schrille Trillerpfeifen, kleine Kurbelglockenspiele, gr. Blecheimer, hohe Kochtöpfe/Pfannen, tiefe Kochtöpfe/Pfannen, Küchenreibe, Autohupe, Fussballtröten, Aerophone (geriffelte Plastikschläuche), Bohrmaschine, Hammer, Holzplatte, Donnerblech, Kette, Kurbelratschen, Mundsirenen, Mundharm. (beliebige Stimmung), Muhschachteln, Vogelzwitschern, Entenrufe, Kieselsteine in Behälter, Schaufeln, Luftballons (die jeweilige Anzahl der Instrumente hängt von der Anzahl der Kinder und deren Rollenverteilung ab)
Cast of characters: Abu Schabù · höhere Knabenstimme - Prinzessin Ola Obelli · Mädchensopran - Vater · jugendlicher (höherer) Bariton - Mutter · jugendlicher Mezzosopran - der böse Zauberer Dr. Popel / Moritz Eggert · Bariton (Opernsänger) - Herr Hauser, Dr. Popels rechte Hand / der Librettist Anton · Schauspielerin („Hosenrolle“) - Fritz, Oberster Gigant der Absolut Unbezahlbaren Riesen · tiefere Knabenstimme - ein singendes Kellerschloss · tiefere Mädchenstimme - Die Absolut Unbezahlbaren Riesen · Chor von Jugendlichen (A, T, jeweils mind. 4) - ein Gartenzwergkäufer · Sprechrolle - Nachbarskinder/Gartenzwerge · vierstimmiger Kinderchor (beliebig viele Kinder, jedoch mind. 12) - Trollgomolle · Sprechchor (beliebig viele Kinder, jedoch mind. 3; müssen nicht singen)
Publisher: Schott Music
Duration: 90' 0''
Year of composition: 2001
Language: German
Material on hire
Delivery rights: worldwide
Description
„Es war nicht das erste Mal, daß mich die Oper Frankfurt wegen einer Kinderoper anfragte – das erste Mal - lang, lang ist’s her, ich war selber quasi noch Kind – wurde nichts draus, es gab aber eine Idee und einen Entwurf „Prinz Schabú und seine wirklichen Abenteuer“, der in der berühmten Schublade landete.
Der zweite, wesentlich enthusiastischere Vorstoss seitens der Oper viele Jahre später brachte mich dazu, den alten Entwurf wieder hervorzuholen. Sicherlich war das alles noch ein bißchen ungelenk und mit einigen Logikfehlern versehen, doch die Idee mit dem Jungen, der sich in einer kleinen Mietwohnung wundersame Geschichten ausdenkt - die dann zu seinem Schrecken in seine Welt eindringen - gefiel mir nach wie vor. Zusammen mit der Autorin Andrea Heuser ging ich daran, den Stoff in eine schlüssigere Form zu bringen, die vor allem das Thema der Realität kontra Virtualität/Phantasie mehr zur Geltung bringen sollte. Wo es vormals um einen simplen Goldschatz ging, gab es nun eine echte Bedrohung, nämlich den Dr. Popel alias der Komponist Moritz Eggert, sowie seinen „Sidekick“ Hauser. Und auch eine kathartische Überwindung derselben in Form eines generellen Kinderaufstands der in dem Chor „Die Oper gehört jetzt uns“ kulminiert – und tatsächlich weicht dann auch der Wille der Schöpfer der Phantasie (und Musik) der Kinder.
Ich kann mich noch ganz gut daran erinnern, wie man als Kind eigentlich nie so wirklich auf das stand, was einem oft als „Kindertheater“ vorgesetzt wurde (am wenigsten mochte ich – ich gestehe es – das tägliche Kindertheater mit Namen „Schulunterricht“). Manches war aber auch richtig gut, ich erinnere mich da an die Kinderstücke von Waechter, an die anarchische Rappelkiste im Fernsehen, und überhaupt an vieles was frech und albern war im Gegensatz zu brav und belehrend.
Laut und schnell sollte „Dr. Popel“ also werden, die Musik sollte Spaß machen ohne ständig mit einem mißverstandenen Neue-Musik-Anspruch daherzukommen, die Handlung sollte Kinder fordern, also kein kleines harmloses Märchen sein. Auch keine Idealisierung der Kinder; Kinder sind keine unschuldigen Engelchen und wollen auch nicht als solche betrachtet werden. Der Titel allein sollte sich schon von den üblichen harmlosen Benjamin-Blümchen-Titeln absetzen (und ist übrigens auch eine kleine Hommage an Erik Saties „Die Falle des Qualle“). Und niemand sollte geschont werden, auch die Macher nicht – Librettistin und Komponist tauchen im Stück ja selber auf und kriegen ihr Fett ab. Auch keine Verherrlichung und Idealisierung der Kinder – es gibt Momente im Stück, bei denen die Gegenaggression der Kinder durchaus bedrohliche Züge annimmt – Kinder sind keine unschuldigen Engelchen und wollen auch nicht als solche betrachtet werden.
Um den instrumentalen Stil für die Musik zu entwickeln, machte ich kurz vor Beginn der Arbeit an der Partitur als Pianist bei einer Aufführung von „Pollicino“ von Henze mit, auch ein Stück von Kindern für Kinder gespielt, und versuchte genau zu beobachten, wo Kinder gelangweilt oder gestresst, unter- oder überfordert sind. Der schlimmste Fehler ist es vielleicht, Kinder zu unterschätzen (was Henze in seinem sehr schönen Stück übrigens nicht tut!) – es gibt vieles, was Kinder besser können als die meist leider von ihrem Beruf gelangweilten Orchestermusiker, allein schon deswegen, weil Kinder mit vollem Einsatz dabei sind. Gleichzeitig wollte ich keine kleinen Virtuosen herausstellen, die mit ihrem eingeübten Etüdenkönnen über die anderen, vielleicht weniger weit ausgebildeten Kinder auftrumpfen. Daher gibt es im Stück zum Beispiel auch ein reines Geräuschorchester, bei dem auch Kinder mitspielen können, die gar kein Instrument beherrschen, ebenso wie es auch Chorparts für Kinder gibt, die lieber grunzen und schreien als singen. Und natürlich gibt es auch zeitgenössischere Instrumente wie E-Gitarre, Keyboard oder Saxophon – auf keinen Fall sollte ein „kleines“ Symphonieorchester mit einem routinierten Erwachsenenorchester konkurrieren, vielmehr sollte ein eigener, unverkennbarer und kontrastreicher Ton entstehen, in dem die Instrumente möglichst entgegen ihrem Klischee benutzt werden (so werden manche der wildesten Stellen von den sonst gerne eher brav eingesetzten Blockflöten gespielt).
Auf jeden Fall sollte die Lebenswirklichkeit der Kinder selber - und dazu gehört eben das Banale wie das Erhabene gleichermaßen – einen Platz in „Dr. Popel“ bekommen. Und dazu gehört auch eine gewisse lebendige und selbstironische Eklektik – akademischem Purismus begegnet man früh genug...als Erwachsener.
Beim Komponieren merkte ich sehr deutlich, wie vielen Zwängen man sich sonst unbewußt als Komponist zeitgenössischer Musik aussetzt – daher würde ich das Schreiben von Kinderopern jedem Komponisten dringend empfehlen. Es geht nicht nur – und natürlich ist das auch wichtig – um das Publikum von morgen. Nein – wir Komponisten müssen mehr Stücke für Kinder schreiben. Als pädagogische Massnahme für uns selber.“
(Moritz Eggert)
Basket
Nearest vendors
Advanced Search

Help
Further questions?
Have a look at our help section for answers to the most frequently asked questions.
Newsletter











