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Das lang erwartete Solo Album von Abdullah Ibrahim liegt vor!

„Senzo“ ist nicht weniger als ein Meisterwerk. Gerade die unverkrampfte Verankerung des spontan eroberten Augenblicks in der Ewigkeit hebt dieses Album über die Unmengen von Piano-Alben heraus, von denen der Markt derzeit überschwemmt wird. Alles funktioniert genau so, wie wir es da hören, und könnte doch auch völlig anders sein.



Abdullah Ibrahim: Senzo

Der Name Abdullah Ibrahim gehört so untrennbar zur Jazzgeschichte wie Duke Ellington, John Coltrane, Ornette Coleman oder Don Cherry. Mit allen genannten Musikern hat der Pianist eng zusammengearbeitet, und doch ist seine Lebensgeschichte eine ganz einzigartige Story, die eng mit den globalen Geschicken des 20. Jahrhunderts verbunden ist.

Abdullah Ibrahims Ton ist von nahezu erschütternder Klarheit. Was sich für den Jazz-Kenner wie ein Höchstmaß musikalischer Reduktion auf die Essenz des Ausdrucks ausmacht, ist für den jazzfremden Hörer einfach nur entwaffnend schöne Musik. Ibrahim improvisiert, ohne dabei seinen oder den Intellekt des Hörers zu überfordern. Ibrahims unbefangen intimes Verhältnis zum Ton kombiniert die abgeklärte Weisheit eines alten Schamanen mit der unstillbaren Neugier eines kleinen Jungen. Nicht selten vergisst man ganz und gar, dass da ein Piano erklingt, und glaubt einfach nur ein Kind mit heller Stimme singen zu hören.



Auf „East Of The Aegean“ passiert nicht weniger, als dass einer der großen Kämpfer des 20. Jahrhunderts Frieden mit sich selbst schließt. Ein großes Album mit kleinen Liedern voller Liebe und vorausschauender Erinnerung. 

Mikis Theodorakis: East Of The Aegean

Nach seinen Oratorien, Liturgien, Sinfonien, opulenten Soundtracks und groß angelegten Liederzyklen ist das Letzte, was man von Mikis Theodorakis jetzt erwarten würde, ein ganz leises Album, das nur auf dem melodischen Flüstern von Cello und Klavier beruht. Ein Klang, der mehr dem Unterbewusstsein als der Realität abgelauscht scheint.

Er selbst bezeichnet den Zyklus als Ode an den Lyrismus, also eine musikalische Verneigung vor literarischen Themen. Viel mehr noch sind die 21 Miniaturen nachdenkliche Reflexionen über das eigene Dasein. Sie wirken wie Postkarten oder das Notizbuch eines Malers voller Skizzen mit Momenteindrücken aus der griechischen Küstenwelt. In einem flüchtigen Augenblick reichen sich Antike und Gegenwart die Hand zu einem Kontinuum, das über sterbliche Lebensläufe weit hinausreicht. In Henning Schmiedt und Jens Naumilkat fand Theodorakis zwei Musiker, die für die sensible Umsetzung dieses Liederzyklus‘ prädestiniert sind. Auf „East Of The Aegean“ balancieren sie traumwandlerisch durch die musikalische Fantasie eines Mannes, der für seine Lieder schon im Gefängnis saß, als sie noch nicht einmal geboren waren.


Posaunist  Nils Wogram ist ein Mann des kreativen Ausgleichs. Mit Gruppen wie Nostalgia und Root 70, aber auch in anderen Konstellationen fand er immer wieder neue Scharniere zwischen Vergangenheit und Gegenwart, Rücksicht und Ausblick. Der besondere Charme seiner musikalischen Abenteuer bestand immer darin, dass er dabei stets ohne jede Programmatik oder didaktischen Ansätze auskommt. So auch auf dem neuen Album von Root 70.

Nils Wogram & Root 70: On 52nd 1/4 Street

„Root 70 on 52nd ¼ Street“ ist ein Konzeptalbum einer Band, die eigentlich im konzeptfreien Raum operiert. Auch wenn die Band sich diesmal selbst einen konzeptionellen Rahmen auferlegt hat, erschlägt sie den Hörer dennoch nicht mit der Konzeptkeule. Die Stücke werden mit unprogrammatischer Leichtigkeit weiter gegeben. Man kann sich in der melodiösen Kraft der Themen, in der Interaktion der Musiker und den Soli verlieren, ohne an den Überbau auch nur einen einzigen Gedanken verschwenden zu müssen. Ein stimmiges und starkes Jazzalbum, gemacht im und für das neue Jahrtausend, mit einem konzeptionellen Mehrwert, der ein Füllhorn an Zukunftsoptionen bereithält.


Nach ihrem Soloalbum „Theremin: Russia With Love“ strebte Barbara Buchholz nach etwas Neuem. Für „moonstruck“ hat sie auf die Zusammenarbeit mit Künstlern gesetzt, die eine nahe liegende künstlerische Haltung an den Tag legen. Von Arve Henriksen über das Kammerflimmer Kollektief bis hin zu Ulrike Haage hat eine beeindruckende Schar von Künstlern Kompositionen beigesteuert bzw. mitgewirkt.

Barbara Buchholz: Moonstruck

Barbara Buchholz ist ein ganz einzigartiges Album gelungen, bei dem man zuweilen sogar vergisst, dass man überhaupt Theremin hört. Sie malt das Bild von einem Ozean der Klänge, in dem man unendlich treiben kann. Man behält die stilistischen Ufer im Auge, wird sie jedoch nie erreichen. Die Strömung dieser Musik folgt ganz eigenen Gesetzen, die noch in keinem musikalischen Atlas oder Tafelwerk fest-gehalten sind. Mit der unambitionierten Schlichtheit ihrer Ästhetik hat Barbara Buchholz dem Theremin einen unschätzbaren Dienst erwiesen. Dies allein würde die CD zu einem Meilenstein machen – würde es sich dabei nicht noch um so wunderschöne Musik handeln.


 Exponenten von Klassik und Jazz haben immer wieder versucht, eine logische Verbindung zwischen beiden Musikrichtungen zu finden. Selten mit Erfolg, denn meistens kippte es in die eine oder andere Richtung und wurde somit für die Anhänger der jeweils anderen uninteressant. Gitarrist Joel Harrison  scheint nun derjenige zu sein, der die Zauberformel gefunden hat. Auf seinem neuen Album „The Wheel“ sucht er nicht auf kürzestem Weg nach der Synthese zweier Klangprinzipien, sondern hebt bestimmte Momente von Klassik und Jazz hervor, um in jedem Satz neue Dichte- und Durchdringungsgrade zu finden.

Joel Harrison: The Wheel

„The Wheel“ ist eine runde Sache. Ein Stück Musik, das in seinen Grundelementen keineswegs revolutionär ist. Harrison ist Lichtjahre von jeder Avantgarde entfernt. Auf altbewährten Gefährten macht er sich auf in neue Galaxien. Das macht seine Musik nicht nur spannend und visionär, sondern auch angenehm und in beinahe jeder Lebenslage hörenswert.


Bei seinem neuesten Album, einem ambitionierten Orchesterprojekt greift Jim Beard mit dem niederländischen Metropole-Orchester unter der Leitung Vince Mendozas einige seiner älteren Kompositionen wieder auf. Diese groß angelegten Neufassungen bestätigen die Tiefe von Beards überragendem kompositorischen Können. Und auch wenn sich entlang des Weges gewisse Einflüsse zeigen - ein Hauch von Aaron Copland hier, ein bisschen Burt Bacharach und eine gesunde Dosis Joe Zawinul mit gelegentlichen Anflügen von Igor Strawinsky da -, weisen seine Kompositionen, von denen jede in ihrem eigenen Orbit kreist, doch eine unbestreitbare Individualität auf.

Jim Beard: Revolutions (Hybrid CD/SACD)

Als Sideman hat Keyboarder Jim Beard eine eindrucksvolle Zahl von Einsätzen bei Tourneen und Aufnahmen mit Leuten wie Pat Metheny, Wayne Shorter, John McLaughlin, John Scofield, Mike Stern, Bill Evans, Bob Berg, Victor Bailey und den Brecker Brothers vorzuweisen.  Aber erst als eigenständiger Leader hat der in Philadelphia geborene und an der Indiana University studierte Musiker sich als begnadeter Arrangeur, versierter Komponist, gefragter Produzent und cleverer Konzeptualist profiliert.


Der europäische Jazz definiert sich zunehmend über Piano-Trios. Neben all den Esbjörn Svenssons und Marcin Wasilewskis haben es nachrückende Piano-Trios immer schwerer, ihre eigene Nische zu besetzen. Nicht so die junge Hamburger Pianistin Anja Mohr. Als sie Ende 2004 ihr Trio mit Willi Hanne und Andreas Edelmann aufbaute, hatte sie noch keine Ahnung von dem bevorstehenden Piano-Trio-Boom. Sie ließ sich einfach von ihrer eigenen Intuition treiben  

Anja Mohr Trio: Abend

Man muss sich nicht lange auf die Musik einlassen, um hier einen besonderen Zugang zum Konzept des Piano-Trios zu finden. Es ist nicht nur der Umstand, dass Anja Mohr physische Wucht und spirituelle Verträumtheit auf einzigar-tige Weise verbindet. Die verführerische Kraft ihres Piano-Spiels geht eher von einem Mangel aus. Ein Mangel an Respekt und Verwurzelung in der Jazz-Tradition, der ihr neue Wege öffnet. Obwohl die Pianistin alles andere als eine Revoluzzerin ist, scheint sich der Jazz in ihrem Spiel gerade selbst neu zu erfinden. Sie fabuliert mit einer derart beeindruckenden Unbefangenheit, als würde sich mitten im Winter ein großes Scheunentor öffnen und den Blick auf eine prallbunte Blumenwiese freigeben.


Fourscore  sind vier junge deutsche Jazz-Musiker, und doch brauchen sie nichts weniger als Aufkleber wie „Young German Jazz“ oder „The Next Generation“. Fourscore können gut damit leben, dass man auf sie steht oder nicht, dass man ihre Jazz-Auffassung teilt oder ablehnt. Denn sie haben etwas zu erzählen.  

FourScore: Add To Friends

Ohne Liebhabern tradierter Jazz-Auffasssungen vor den Kopf zu stoßen, legen die vier Musiker neue Gleise aus. Ihr Album klingt wie der Beginn einer Reise, dessen Ausgangspunkt man genau kennt. Sie bieten Orientierung, indem sie Gewohntes und lieb Gewordenes zulassen. Ein fragile Beziehungsgeflecht von Damals und Heute, Hier und Dort macht bei allem Traditionsbezug eindeutige Zuordnungen unmöglich. Die beinahe symbiotischen Unisoni von Gitarre und Saxofon, die sanften Funk-Grooves von Bassist Heiko Jung und Schlagzeuger Nevyan Lenkov, die traumwandlerischen Soli, der Verzicht auf jeglichen musikalischen Ballast, das selbstsichere Understatement im gesamten Erscheinungsbild der Band verraten einen Umgang mit den Grundwerten des Jazz, wie man ihn entspannter heute kaum findet.  


February 10, 2008 — Joe Zawinul’s Brown Street, was honored with a GRAMMY® Award by the National Academy of Recording Arts and Sciences (NARAS). The 50th Annual GRAMMY® Awards Ceremony was held at the Staples Center in Los Angeles on February 10, 2008.

Keyboardist/composer/bandleader Joe Zawinul, who rose to fame as one of the creators of jazz fusion, died on September 11, 2007. Zawinul’s final album, Brown Street (INT 3450 2), was released in North America on February 27, 2007 via INTUITION´s US Licensee Heads UP. The two-disc set captured Zawinul, a few of his longtime friends and collaborators, and the 15-piece WDR Big Band in an electrifying live performance. Recorded in October 2005 at Zawinul’s own Birdland Club in Vienna, Brown Street showcased Zawinul, Syndicate drummer Nathaniel Townsley, Weather Report and Syndicate bassist Victor Bailey and Weather Report drummer/percussionist Alex Acuna in expanded, orchestral renditions of some of the finest Zawinul compositions from the highly influential Weather Report oeuvre.  


Nils Wogram vereint in seiner künstlerischen Persönlichkeit den unbeschwerten Jazz-Visionär und den verklärten Romantiker. Mit Nostalgia kann er diese beiden Seiten seiner Persönlichkeit überzeugend in Einklang bringen. Nostalgie - das ist bei Wogram, dem Pianisten und Organisten Florian Ross und dem Schlagzeuger Dejan Terzic auch ein feiner Sinn für Ironie und Brechungen.

Nils Wogram's Nostalgia: Affinity

"Affinity" swingt wie die Hölle. So unterhaltsam die neun Stücke der CD auch sind, so sehr die Patina der gemeinsamen Erinnerung sich auch mit den Projektionen jedes einzelnen Hörers vermischt, so tollkühn und rücksichtslos brechen die drei fröhlichen Nostalgiker auch mit jeder Erwartung. Die Musik steckt voller unerwarteter Details und Pointen, die oft den Gang des Ganzen jäh in eine andere Richtung lenken können. Die Zukunft beginnt gestern. "Affinity" ist ein verführerisches Bekenntnis zu dieser Einsicht. 


Die Jazz Bigband Graz gehört zu jenen Großformationen des Jazz, die wenige Monate vor dem Jahrtausendwechsel frischen Wind in die Big Band Landschaft gebracht haben. Auf ihrer neuen CD nennen sie sich nur noch kurz JBBG. Das Logo symbolisiert einen Neuanfang im virtuellen Zeitalter und doch zugleich auch Kontinuität auf dem Boden der modernen Big Band Geschichte.

JBBG: Electric Poetry & Lo-Fi Cookies

Mit "Electric Poetry & Lo-Fi Cookies" ist JBBG weit mehr gelungen als ein spannendes und abwechslungsreiches Album, das Jazz-Fans Jazz und Jazz-Muffel einfach nur ein gelungenes Stück Musik nennen können. Heinrich von Kalnein und Horst-Michael Schaffer revidieren mit ihrer Formation die Landkarte der europäischen Musik. Mitteleuropa hat wieder einen innovativen Big Band-Schwerpunkt. "Electric Poetry & Lo-Fi Cookies" ist nicht weniger als ein musikhistorisches Scharnier, auf dem sich eine Tür in die Zukunft öffnet.

"So klang keine Bigband zuvor. Musik wie ein Feuerwerk. Die Jazzbigband Graz ist das explosive Gemisch aus dem Cinematic Orchestra und dem tied & tickled trio." Jazzthetik 03/08

"Nur selten wagt es eine Big Band, die im NuJazz erprobten Computer-Sounds in ihren größeren Klangkörper zu integrieren. Der Jazzbigband Graz ist dies gelungen...In dieser Produktion verschmelzen Tradition und Zukunft" Werner Stiefele / Audio-Jazz-CD des Monats / Feb. 2008


Bill Evans, ein Weltklasse-Saxophonist, der sich erstmals in den Achtzigern mit Jazzgrößen wie Miles Davis und John McLaughlin einen Namen gemacht hat, erforscht als Bandleader immer noch eine Vielzahl abenteuerlicher Stilrichtungen - von knackigem Funk-Fusion über HipHop-Jazz bis zur völlig einzigartigen Mischung aus Bluegrass, Jazz, Funk und Soul, die er zum ersten Mal auf dem für einen Grammy nominierten Album Soulgrass von 2006 vorgestellt hat.

Bill Evans: The Other Side Of Something

Auf seinem Nachfolgealbum "The Other Side Of Something", auf dem er zudem sein Debüt als Sänger gibt, geht Evans noch weiter in diese Richtung: "Ich erreiche jetzt ein viel größeres Publikum, mit Leuten, die nicht nur an Jazz interessiert sind, sondern auch an vielen grundlegenden Musikstilen amerikanischen Ursprungs. Ich höre so viele Möglichkeiten, wie Banjo und Geige in meiner Band eingesetzt werden können, die keiner bestimmten Musikform bzw. keinem bestimmten Musikstil zuzuordnen sind. Wir durchqueren irgendwie alle Stile und mischen sie zu unserer Band zusammen, die ich Soulgrass nenne. Deshalb nenne ich diese CD The Other Side Of Something… es gibt bisher noch keinen Namen für das, was wir machen. Ich liebe es." 

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